Mit "People Tagging" zum kollaborativen Kompetenzmanagement

Jahr:
2009

Autoren/Hrsg:
Simone Braun

Publikationstyp:
Vortrag

Quelle:
Workshop "Social Software @ Work", Düsseldorf: Schloss Mickeln, September 28, 2009.

URL:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/social-software

Abstract:
Heutige Kompetenzmanagementansätze bieten vielversprechende Instrumente für Personaleinsatz und -entwicklung, Wissensmanagement und Lernunterstützung insbesondere in größeren Unternehmen. Bisher konnten solche Ansätze jedoch insbesondere auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter keinen nachhaltigen Erfolg zeigen. Pilotanwendungen zum Suchen und Finden von Experten kämpfen auf die Dauer neben sozialen und organisationalen Barrieren immer wieder mit unvollständigen und veralteten Datensätzen. Dies beeinträchtigt sowohl die Kompetenzprofile der einzelnen Mitarbeiter als auch die Kompetenzkataloge, die als Vokabular für die Profile verwendet werden. Traditionell werden Kompetenzmanagementansätze als Top-Down-Instrumente betrachtet. Das bedeutet, dass in der Regel eine kleine Expertengruppe solche Kompetenzkataloge in unregelmäßigen Zeitabständen (für gewöhnlich >1 Jahr) oder gar als einmalige Aktivität ohne weitere geplante Aktualisierung modelliert. Bei der Anwendung des Kompetenzkatalogs stoßen die Mitarbeiter häufig auf das Problem, dass sie die Bedeutung der Kompetenzbegriffe nicht verstehen können (da sie nicht in den Modellierungsprozess eingebunden waren) und sie nicht die für sie relevanten Themen finden (was insbesondere für neu aufkommende Themen zutrifft). Neben der Erstellung und Pflege des Kompetenzkatalogs ist auch die Erstellung und Pflege der individuellen Kompetenzprofile oft problematisch. Zur Erstellung von Kompetenzprofilen werden meist Ansätze zur Selbstbewertung oder zur Fremdbewertung durch Vorgesetzte oder formale Bewertungsverfahren angewandt. Wohingegen letztere sehr teuer und mühselig ist, scheitert der Ansatz der Selbstbewertung häufig an mangelnder Motivation, die auf den fehlenden unmittelbaren Nutzen für den Mitarbeiter zurückgeführt werden kann. Zum Beispiel sind die Systeme kaum in die alltäglichen Arbeitsaktivitäten eingebettet und haben dort ihre Nützlichkeit bewiesen. So enthalten diese Kompetenzprofile oft nicht die Informationen, die für andere Kollegen relevant sind. Und sehr neue oder spezialisierte Themen können nicht verwendet werden, da sie im Kompetenzkatalog aufgrund der großen Intervalle zwischen den Aktualisierungen nicht enthalten sind. Zur Überwindung dieser Probleme präsentieren wir einen Ansatz zum kollaborativen Kompetenzmanagement, der alle Mitarbeiter einbindet und teilnehmen lässt. In diesem Ansatz kombinieren wir Web 2.0 ähnliche Bottom-Up-Prozesse mit organisationalen Top-Down-Prozessen. Die Basis hierfür bildet das sog. "People Tagging", d.h. jeder Mitarbeiter kann die Expertise und Interessen seiner Kollegen mit Schlüsselwörtern auf einfache Art und Weise annotieren ("taggen") und beschreiben. Dies wird durch Methoden der Community-gestützen Ontologieentwicklung ergänzt, mit denen Mitarbeiter den Kompetenzkatalog ständig weiterentwickeln und ihren Bedürfnissen anpassen können. Die Kernidee unseres Ansatzes ist, dass Kompetenzmanagement nicht vollständig ohne ein vereinbartes Vokabular (oder Ontologie), d.h. dem Kompetenzkatalog auskommt. Aber dass dieser Katalog kooperativ und eingebettet in die tatsächliche Nutzung entwickelt werden muss (z.B. während dem Tagging anderer Mitarbeiter). Gleichzeitig betrachten wir Kompetenzprofile nicht nur als Selbstbeschreibung, sondern vielmehr als Ergebnis kollektiver Beurteilung anderer.

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