Projekt INSPIRE

INSPIRE - Improving Service Productivity in Healthcate - Qualität und Produktivität von Gesundheitsdienstleistungen IT-gestützt steigern und gestalten

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Seit November 2010 wird das Projekt INSPIRE vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit ca. 1,4 Mio. € gefördert, um mittels Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) Innovationen in Gesundheitsdienstleistungen zu erforschen. Die Projektpartner aus der Wissenschaft und Wirtschaft wollen während der nächsten drei Jahre gemeinsam aufzeigen, wie die Qualität und Effizienz am Beispiel der Schlaganfallversorgung durch innovative Lösungen verbessert werden kann. Das Konsortium unter Federführung des FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe besteht aus dem Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie der Neurologischen Klinik Bad Neustadt/ Saale, dem Bayerischen Roten Kreuz, der CAS Software AG, der medDV GmbH und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Die Projektpartner arbeiten im gemeinsam an der Frage, wie die Versorgung am Patienten zu messen und verbessern ist. Hierfür wenden sie Instrumente der Dienstleistungsforschung an, bei der medizinische und Pflegeorganisationen als Dienstleister betrachtet werden. An zwei konkreten Beispielen, dem Notfalleinsatz beim Schlaganfall und der Nachsorge im Schlaganfall, zeigen sie exemplarisch auf, wie diese neue Sichtweise funktionieren kann und wie Innovationen im Gesundheitswesen Einzug finden können.

Der demographische Wandel verändert die Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr 2035 wird Deutschland eine der ältesten Bevölkerungen der Welt haben, mehr als die Hälfte der Menschen wird älter als 50, jeder dritte Mensch älter als 60 Jahre sein. Kaum ein anderes Fachgebiet wird dabei von diesen und den diagnostischen sowie therapeutischen Entwicklungen in der Zukunft so stark beeinflusst werden, wie die Neurologie und ihre Krankheitsbilder.
Der Schlaganfall allein tritt in Deutschland jährlich ca. 200.000 mal auf, wobei 20% der Patienten innerhalb des ersten Monats und über 37% innerhalb eines Jahres sterben, 40% der Schlaganfallpatienten mit dauerhaften Defiziten zu kämpfen haben und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, innerhalb der folgenden Jahre einen weiteren Infarkt zu erleiden. Die gesellschaftlichen Kosten belaufen sich dabei heute in Deutschland jährlich auf ca. 7,1 Mrd. Euro und werden sich – den gesellschaftlichen Wandel berücksichtigt – bis 2025 auf 108,6 Mrd. Euro summiert haben.

Aufgrund dieser Veränderungen müssen sich nahezu alle Institutionen im Gesundheitswesen als ökonomisch wirtschaftende Dienstleister aufstellen und dabei auch Institutionen-übergreifende Kooperationen berücksichtigen und sektorenübergreifende Versorgung (bzw. Integrierte Versorgung) real möglich machen.
„Gerade der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bietet sich an, um Information zu digitalisieren und die Kommunikation zwischen den Beteiligten zu vereinfachen. Leider werden technologische Antworten, in vielen wissenschaftlichen Ansätzen und Projekten, heute vielfach zu sehr als singuläres Allheilmittel für diese Herausforderungen gesehen und führen – isoliert eingesetzt – nur zu unzureichenden Effekten“, so Prof. Dr. Christof Weinhardt, Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe. IKT besitzt zudem das Potenzial, die Effektivität heutiger Versorgungsdienstleistungen und -technologien zu messen und durch kontinuierliche Weiterentwicklung ggf. zu erhöhen. Die konkrete Messbarkeit der Effekte von Dienstleistungsinnovationen kann die Durchsetzung neuer Modelle erheblich unterstützen.

Um auch in Zukunft eine möglichst optimale Versorgung zu bieten, die bezahlbar ist, sind dringend neue Lösungen gefragt. Basis dafür ist ein konsequenter Informationsaustausch, ein qualifizierter Praxistransfer und vernetzte Versorgungsformen. Jedoch sind durchgängige, vernetzte und durch Informationstechnologien unterstützte Versorgungsformen immer noch selten in der Gesundheitsversorgung.

Hier setzt das Projekt INSPIRE an. Die Grundidee: Das geplante Vorhaben schafft Ansätze und Lösungen für Produktivitätssteigerungen von Gesundheitsdienst-leistungen ausgehend vom gesellschaftlich besonders relevanten Feld des Schlaganfalls. Es schafft die Datenbasis zur Beurteilung von Dienstleistungsqualität in der sektorenübergreifenden Versorgung, analysiert hybride unternehmensübergreifende Wertschöpfungsmodelle und bildet damit die Möglichkeit, mit kontinuierlichen Innovationsprozessen Verbesserungen im Gesundheitswesen zu forcieren.

„Um das Ziel der Produktivitätssteigerung bei der Schlaganfallversorgung zu erreichen werden zwei Fallstudien parallel geführt. Hier setzt das Team in INSPIRE auf bereits vorhandene Ergebnisse früherer Projekte sowie vor allem auf das System „Stroke Angel“, welches seit April 2008 in der Regelversorgung der Region Rhön Grabfeld (rund um Bad Neustadt an der Saale) sein Potenzial zur Verbesserung der Notfallversorgung für Schlaganfallpatienten im täglichen Einsatz unter Beweis stellt. Diese Infrastruktur und das etablierte Partnernetzwerk bilden eine hervorragende Ausgangsbasis für die Analysen mit dem Ziel, Dienstleistungsgestaltung und Produktivität im Gesundheitswesen grundlegender zu erforschen und konkret zu verbessern“, erklärt Asarnusch Rashid, Konsortialführer im Projekt INSPIRE aus dem FZI Forschungszentrum Informatik.

INSPIRE hat sich das Ziel gesetzt, neben der präklinisch-klinischen Schnittstelle ebenfalls die klinisch-postklinische Schnittstelle für den Schlaganfall intensiv zu bearbeiten. Hierfür wird mit dem Stroke Angel ein – zur Erfassung und Verarbeitung digitaler Informationen in der Präklinik – im Regelbetrieb befindliches System weiterentwickelt. Darüber hinaus wird in INSPIRE die professionelle Betreuung der Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus anhand eines so genannten Stroke Managers konzipiert, der mittels Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Telemedizin das Versorgungsnetzwerk rund um den Patienten koordinieren können soll. Als wichtiger Aspekt in INSPIRE gilt es dabei in beiden Fallstudien konsolidierte und pseudonymisierte Daten für die Theorieevaluation in der Dienstleistungsforschung sowie zur Weitergabe von individuellem Dienstleister-Feedback zu verwenden.
„Eine Verbesserung beider Schnittstellen und die ganzheitliche Betrachtung von Rettung, Akuttherapie, Rehabilitation, Nachsorge und Pflege hat großes Potenzial hinsichtlich betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Ressourcenschonung, Steigerung von Arbeitsqualität und langfristigem, nachhaltigem Behandlungserfolg (Stichwort Sekundärprävention)“, so Prof. Dr. med. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik GmbH Bad Neustadt/ Saale. „Die Neurologische Klinik Bad Neustadt/ Saale ist für die Umsetzung der organisatorischen Prozesse und Infrastruktur aus Sicht einer neurologischen Fachklinik sowohl an der präklinisch-klinischen Schlaganfall-Notfallversorgung sowie der klinisch-postklinischen Weiterversorgung der Schlaganfallpatienten“, berichtet Prof. Dr. med. Bernd Griewing weiter.

Für die Betreuung der Schlaganfallversorgung aus Sicht einer Rettungsdienstorganisation und Trägers von Pflegeeinrichtungen ist das BRK zuständig, berichtet Herr Reinhold Dietsch, BRK- Bezirksgeschäftsführer des BRK Bezirksverbands Unterfranken.

Flankiert wird die praktische Anwendung durch die beiden Forschungseinrichtungen des KSRI Karlsruhe Service Research Institute am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und des FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe.

„Das KSRI kümmert sich in INSPIRE um die Produktivitätsverbesserung durch gemeinsame Wertschöpfung in Netzwerken. Das heißt, das KSRI wird die Gestaltung von innovativen Dienstleistungsmodellen am Beispiel übernehmen und anhand der beiden Fallstudien diese zu untersuchen sowie Erfolgsfaktoren zur gemeinsamen Wertschöpfung mehrerer beteiligter Partner ableiten“, erklärt Prof. Dr. Gerhard Satzger, Direktor am KSRI.

Viele wichtige Daten wie Prozesszeitpunkte oder der tatsächliche Krankheitszustand des Patienten gilt es überhaupt erst zu erfassen. Um die Konzeption der organisatorischen und technologischen Infrastruktur und Service-Systeme für die integrierte präklinische und postklinische Schlaganfallversorgung kümmert sich das FZI Forschungszentrum Informatik. „Wir sind eine typische Technologietransfereinrichtung. Das FZI bringt nicht nur das Know-How jahrelanger Beteiligung an Stroke Angel sowie von Kommunikationsplattformen in das Projekt ein. Es liefert auch den wissenschaftlichen Input aus ökonomisch-technischer Perspektive zur Konzeption und Umsetzung des Dienstleistungs-Qualitätsmodell“, erklärt Asarnusch Rashid, Leiter des Health-Care Teams im Forschungsbereich IPE des FZI. Das FZI ist auch für die Projektleitung in INSPIRE zuständig.


Das FZI-Team rund um INSPIRE:

  • Asarnusch Rashid ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können ): Konsortialführer, Team Stroke Angel und Team Stroke Manager
  • Bruno Rosales Saurer ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können ): Team Stroke Manager
  • Mercé Müller-Gorchs ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können ): Team Service Systeme und Team Stroke Angel
  • Roland Görlitz ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können ): Team Stroke Manager und Team Service Systeme