Projekt CONsense (Co-operatives Wissensmanagement in virtuellen Organisationen)
Entwicklung von Methoden und Werkzeugen zum Erbringen wissensintensiver Dienstleistungen in virtuellen Unternehmen.
Die Motivation für das Projekt CONsense lieferten zwei der wichtigsten Entwicklungstrends in der Wertschöpfung am Ende der 90er Jahre: die zunehmende Konzentration der Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen samt der damit verbundenen Entstehung der Virtuellen Organisation als einer neuen Unternehmensform und die immer stärkere Rolle des Wissens als entscheidender Ressource in den modernen Wertschöpfungsprozessen. Virtuelle Unternehmen sind zeitlich begrenzte Zusammenschlüsse autonomer Partner, die sich - zumindest theoretisch - auf die Erfüllung eines einzelnen Auftrags konzentrieren können und dabei die Autonomie der Teilnehmer wahren. Sie stellen damit eine bisher nicht da gewesene Kombination von Spontaneität und räumlicher Verteilung dar. Um dennoch eine hohe Prozess- und Produktqualität erreichen zu können, findet die Arbeit unter einem umfangreichen Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie statt.
Die Autonomie der Unternehmen und die zeitliche Begrenzung der Kooperation stellen hohe Anforderungen an die Softwarelösungen. Die vorhandenen, unabhängigen Systeme der einzelnen Unternehmen sind mit minimalen Kosten zu integrieren. Die bis dato gängige Lösung besteht dabei in der Einrichtung von Projektportalen, auf denen - leider weitgehend losgelöst von den bestehenden Systemen - die Projektarbeit abgewickelt und koordiniert wird.
Das Integrationsproblem verstärkt sich in wissensintensiven Wertschöpfungsprozessen noch weiter. Um etwa Entwurfs- und Managemententscheidungen zu unterstützen und zu koordinieren, sind die Integration und Verwaltung komplexer Informationsgeflechte notwendig. Solche Informationsbestände spiegeln - laut einer der Wissensdefinitionen - Prozesswissen, Produktwissen, Kundenwissen, Marktwissen uvm. wieder. Sie gehen daher weit über die "konventionellen" Daten z.B. der Warenwirtschaft hinaus. Zu beachten ist dabei, dass das Wissensmanagement Idealerweise tief in der spezifischen Unternehmensstrategie verankert sein sollte, was bei kurzfristigen Kooperationen unausweichlich zu Inkompatibilitäten zwischen den Partnern führen muss.
Das in CONsense angestrebte System soll die Form eines Unternehmensportals haben. Im Hinblick auf das ein solches Portal betreibende Unternehmen dient das Portal zur Erreichung der technischen und inhaltlichen Integration der IT-Infrastruktur sowie zur Steuerung der im Unternehmen ablaufenden Prozesse. Die Bildung virtueller Unternehmen erfolgt auf der technischen Ebene durch die Kopplung der autonomen Portale mehrerer Unternehmen. Während wir also unternehmensintern mit einer zentralistischen Systemarchitektur zu tun haben, in der das Unternehmensportal die Kernkomponente bildet, bauen virtuelle Unternehmen auf einem Peer-to-Peer-Ansatz, in dem die einzelnen Unternehmensportale die Architekturknoten darstellen.
Um den Ansprüchen des Wissensmanagement gerecht zu werden, baut die Datenverwaltung im Portal auf einer Wissensrepräsentation auf. Die Wissensrepräsentation beschreibt Realweltausschnitte mittels Begriffe, ihrer Eigenschaften und der zwischen den Begriffen bestehenden Beziehungen. Es handelt sich also um eine Ontologie. Durch die Zusammenfassung zusammenhängender Begriffe zu wiederverwendbaren "Räumen", wird die Nutzung einmal gewonnenen Wissens in neuen Zusammenhängen ermöglicht und die Kopplung der Unternehmen auf der Basis eines gemeinsamen begrifflichen Nenners erleichtert.
- Gefördert: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- URL: http://www.consense.org
- beteiligte Forschungsbereiche: DBS, BPEM, WIM

