05.05.2021

aicas: 20 Jahre Software made in Karlsruhe

Was für ein Erfolg: Das FZI-Spin-off aicas feiert heute zwanzigjähriges Firmenjubiläum. Hervorgegangen ist die aicas GmbH aus dem EU-Projekt HIDOORS (2002-2005), zur Verwertung der Echtzeit-Java-VM „JamaicaVM“, die in der Lage ist, CPU-Zeit und Speicherbedarf verlässlich zu begrenzen. „JamaicaVM“ ist nun ein Produkt der Aicas, auf dem u.a. die „JamaicaCAR“ App-Plattform für Infotainmentsysteme im Auto basiert.

Ein Gastbeitrag des FZI-Spin-offs und langjährigen Fördervereinsmitglieds aicas GmbH

Wenn man einen Blick auf die digitale Welt im Jahr 2001 wirft, wird schnell deutlich: Hier bewegt sich was! Die erste Generation des iPod begeistert Millionen Nutzer, der Start von Wikipedia erklärt enzyklopädisches Wissen mit einem Schlag zum Allgemeingut – und drei junge Software-Ingenieure gründen gemeinsam mit einem BWL-Absolventen am 03. Mai 2001 in Karlsruhe das Softwareunternehmen aicas. Nicht wissend, dass zwanzig Jahre später ihre Software-Technologien in mehr als 21 Millionen Automobil- und Industriegeräten weltweit eingebaut sein werden.

Am Anfang war Java

James J. Hunt, Andy Walter und Fridtjof B. Siebert lernten sich während des Studiums kennen und fanden schnell eine gemeinsame Sprache: Java. Im Rahmen des Studiums entstand die Idee eines eigenen Unternehmens für die Programmierung von Echtzeit- und Embedded-Anwendungen. Nach der Softwarekrise der 80er-Jahre, die durch Java gelöst wurde, sahen die Entwickler in der Programmiersprache Java mit Erweiterungen für die Echtzeitfähigkeit auch die Lösung für Embedded-Anwendungen. Der Erfolg sollte ihnen recht geben, jedoch stellte sich dieser nicht sofort ein. Im Jahr 2001, direkt nach der DOTCOM-Blase sah es mit der Finanzierung von neuen Softwarefirmen nicht gerade rosig aus. Dem guten Ruf für Informatik der Stadt Karlsruhe und dem FZI sei Dank, fanden sich bald Unterstützer und Partner für das Vorhaben der innovativen Gründer: Das Cyberforum, EU-Projekte, das FZI und die Stadt Karlsruhe gehörten zu den Supportern der ersten Stunde.

„Das Silicon Valley hatte gerade die DOTCOM-Pleite hinter sich, aber wir dachten, dass Embedded Systeme am Industriestandort Deutschland erfolgreich könnten“; sagt aicas CEO Dr. James J. Hunt heute rückblickend. „Wir waren begeistert, die neue Sprache Java mit Echtzeit-Erweiterungen in die Welt der Operational Technology (OT) zu bringen. Wir waren begeistert von den Möglichkeiten, die Embedded Software zu bieten hat und sind es immer noch. Aus diesem Grund haben wir aicas gegründet.“

Elon Musk gründet Tesla – aicas expandiert erst nach Japan, dann in die USA

Wie ging es weiter? Den Spirit moderner Co-Working-Spaces kannte man zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Karlsruhe zwar noch nicht, aber die Hoepfner-Burg hatte eine Ahnung und stelle Büroräume für Start-ups zur Verfügung. Die aicas GmbH war eine der ersten Mieterinnen. Mit dem Umzug kam der Aufstieg: aicas Kernprodukt, die JamaicaVM kam auf den Markt und gewann über die Jahre diverse Auszeichnungen, mit SIEMENS als einer der initialen Kunden gelang der Sprung in die Automobilindustrie; weitere neue Kunden aus der Luftfahrtelektronik kamen dazu.

Während 2003 der letzte VW-Käfer in Puebla vom Band rollte und ein junger Gründer namens Elon Musk das Unternehmen Tesla in die Welt setzte, expandierte aicas nach Japan und bekam mit Peter Marggrander den CFO, der auch heute noch die finanziellen Geschicke des Unternehmens lenkt. Mit Erfolg: Ein Softwareunternehmen aus einer mittelgroßen Stadt in Deutschland, das nach Finanzkrise und Pandemie nach 20 Jahren noch am Markt ist und zu dessen Kunden namenhafte Automobil-, Industrie-, Medizin- und Luftfahrtkunden zählen, darf dies schon mal von sich behaupten. Aber wir wollen nicht vorgreifen.

2004 war ein großer Schritt nach vorn. Durch Unterstützung grundlegender AWT Funktionen konnte JamaicaVM zum ersten Mal komplexe grafische Anwendungen ausführen. Im Jahr darauf ging es über den großen Teich: Der amerikanische Markt entwickelte sich zu einem immer wichtigeren für Echtzeit-Java-Technologie. Mit der Gründung von aicas incorporated in New Haven, CT, konnte das aicas-Team den US-Markt jetzt besser bedienen.

Mit JamaicaCAR positioniert sich aicas in der Automobilbranche

Um ihre Marktposition noch weiter zu verbessern und neue Märkte zu erschließen, baute die aicas GmbH ab 2007 ihr Vertriebspartnernetz stark aus. Somit wurde sichergestellt, dass auch Kunden in Ländern ohne aicas-Niederlassungen hervorragenden Service und regionale Ansprechpartner vorfinden. Und der Bedarf war da; die Expansion ging weiter: 2008 kamen neue Kunden aus dem Finanz- und Medizinbereich dazu, ab 2011 standen die Zeichen dann voll auf Automotive:  Der Embeddy Award 2011 „Best in Show for Software and Tools“ wurde aicas für JamaicaCAR verliehen, aicas neues Connected Application Framework für Automobil-Anwendungen. JamaicaCAR bietet eine sichere Ausführungsumgebung für Java Apps, das dem Fahrzeugbesitzer ermöglicht neue Funktionen nachzuladen, sobald sie verfügbar sind.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis neue Meilensteine die Automobilbranche grundlegend verändern würden. Im Sommer 2013 zeigte Mercedes-Benz mit dem Forschungsfahrzeug S 500 INTELLIGENT DRIVE auf historischer Strecke, dass auch im Überland- und Stadtverkehr autonomes Fahren möglich ist. Ein Jahr später kam JamaicaVM 8.0 auf den Markt und 2017 war es für die aicas-Mannschaft Zeit, auch räumlich neue Wege einzuschlagen. Der Technologiepark Karlsruhe ist seitdem das neue Zuhause von aicas; von hier werden die globalen Geschäfte geleitet.

Im selben Jahr titelte der ECONOMIST “The world’s most valuable resource is no longer oil, but data” – basierend auf einer Aussage des Mathematikers Clive Humby. Für ein Unternehmen wie aicas, dem es darum geht, Daten sicher und in Echtzeit von A nach B oder von Cloud zu Edge zu transportieren, eine zu 100 Prozent stimmige und für die weitere Entwicklung des Unternehmens bedeutsame Aussage.

aicas hilft Kunden, den maximalen Nutzen aus ihren Daten zu ziehen, indem sie eine offene Plattform für die Datenerfassung und Softwareverwaltung auf Geräten bereitstellen. Alles ist überall und jederzeit verbunden. Somit ist gewährleistet, dass die richtigen Daten zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommen.

Back to the Future: aicas heute

Ursprünglich aus dem technologischen und akademischen Umfeld in Karlsruhe hervorgegangen, hat sich aicas zu einem globalen High-Tech-Unternehmen mit Niederlassungen in Europa und Nordamerika entwickelt, das Kunden in aller Welt bedient.

„Im Laufe der Jahre haben wir unsere Vision, die Programmierung und Verwaltung von Embedded-Systemen zu revolutionieren, erweitert“ fasst James J. Hunt den 20-jährigen Erfolg des Karlsruher Unternehmens zusammen. „Wir produzieren etwas, das seit 20 Jahren einen Nutzen für unsere Kunden hat. Im Laufe von zwei Jahrzehnten haben wir branchenübergreifend expandiert und arbeiten mit Kunden zusammen, die sich heute auf unsere Technologien als integralen Bestandteil von mehr als 21 Millionen Embedded-Geräten verlassen. aicas‘ Java Realtime Virtual Machine, JamaicaVM, entwickelt sich weiter zu Middleware und Embedded Software Development Kits (eSDK), mit denen Kunden auf der ganzen Welt ihre spezifischen Geschäftsziele erreichen können. Das Beste liegt noch vor uns.“

Und morgen?

Und so lautet dann auch das offizielle Motto des 20-jährigen aicas Jubiläums: “The Best Is Yet To Come”. Mit Ausrichtung auf die kommenden 20 Jahre arbeitet das gesamte Team derzeit an neuen Produkten. Das Jubiläum ist ein Anlass, die Produktpalette zu erweitern und neue Software-Lösungen mit spannenden neuen Fähigkeiten auf den Markt zu bringen. Automotive, Artificial Intelligence und Security sind Themen, die ganz oben auf der gesellschaftlichen und unternehmerischen Agenda stehen. Ganz wichtig für die zukünftige Ausrichtung sind bestehende und zukünftige Partnerschaften – international, aber natürlich auch in der Region und für die Stadt Karlsruhe.

“Wir können die Zukunft nicht vorhersagen, aber wir können und wollen sie mitgestalten”, sagt aicas Präsident Johannes Biermann, und das mit Rückblick auf seine vielen Jahre im kalifornischen Tech-Standort Silicon Valley. “Unser Ziel ist es, der führende Anbieter von eingebetteten Softwarelösungen zu werden, der in ausgewählten Tätigkeitsfeldern die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle und -prozesse über Cloud- und Edge-Infrastrukturen hinweg beschleunigt.”

Herzlichen Glückwunsch zum 20jährigen Firmenjubiläum, aicas GmbH! Vor 20 Jahren habt Ihr Euch als Spin-off aus dem FZI heraus selbständig gemacht und seid seitdem weltweit mit Euren eingebetteten Softwarelösungen vertreten. Was für ein Erfolg! Wir freuen uns, dass James Hunt mit seiner aicas auch über unseren Förderverein weiterhin den engen Kontakt zu uns hält und uns begleitet. Gemeinsam durften wir schon an spannenden Projekten arbeiten. Für mindestens 20 weitere Jahre viel Erfolg und nur das Beste – ganz im Sinne von „the best is yet to come“!