09.03.2021

Das FZI Open House 2021: Virtuell, aber nicht weniger persönlich. Ein Rückblick

Am 25. Februar 2021 startete unser erstes virtuelles FZI Open House mit rund 450 Teilnehmenden um 9:30 Uhr mit einer Begrüßung durch den FZI-Vorstand Jan Wiesenberger und der Keynote von Claudia Plattner, CIO von DB Systel, die das Motto des FZI Open House „Digitale Wegbereiter für krisenfeste und zukunftsoffene Strukturen“ aufgriff. Es endete mit einem Abschlusspanel am Nachmittag, in dem unter Moderation von FZI-Vorstand Professor J. Marius Zöllner zentrale Themen des Tages nochmals diskutiert und resümiert wurden.

FZI-Vorstand Jan Wiesenberger begrüßte die Gäste des ersten virtuellen FZI Open House am 25. Februar 2021.
Claudia Plattner, CIO von DB Systel, postulierte in ihrer Keynote Value Networks als europäische, zeitgemäße Antwort für digitales Wachstum und Resilienz.

Mit einem Statement zur Entwicklung des Digitalisierungsgrades sowie zu Veränderungsprozessen nach einem Jahr Pandemie-Erfahrung, begrüßte Jan Wiesenberger die rund 300 Teilnehmenden online: Die neuen Abläufe in der Arbeitswelt hätten gesamtgesellschaftlich zwar den Innovationsdruck Richtung Digitalisierung erhöht, aber andererseits auch einen Willen zur Persistenz gezeigt. Die „Verbesserung“ durch Digitalisierung und nicht das „Nachbessern“ sollte im Mittelpunkt der Agenda stehen, so Wiesenberger. Konstruktive, gemeinsame, verantwortungsvolle Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen sei der richtige Weg, das habe sich in diesem Jahr gezeigt. Der abschließende Appell Wiesenbergers an die FZI-Unterstützenden aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Institutionen lautete, die gemeinnützige Forschung, wie sie das FZI praktiziere, noch mehr zu stärken. Denn gerade die konzernunabhängige Forschung sei ein wichtiger „Treiber krisenfester Aktivitäten“.

FZI Open House-Keynote "Digitale Wegbereiter für krisenfeste und zukunftsoffene Strukturen"

Anschließend startete ab 9:45 Uhr Claudia Plattner, CIO von DB Systel, dem Digitalpartner der Deutschen Bahn, mit ihrer Keynote thematisch in den Tag. Plattner resümierte zunächst die Jahre 2006 bis 2019: für die Digitalisierung seien in dieser Phase die Themen Touch, Mobil, Cloud, Blockchain, Künstliche Intelligenz, das Internet of Things und Data bestimmend gewesen. Plattners Lessons learned aus dieser Zeitspanne: In der Digitalisierung kommt es auf die Nutzung von Technologien und Lösungen mit großem Mehrwert an. Auch sei die Bedeutung der Verbindung zum Kunden gelernt worden.

Dann wandte sie ihren Blick der jüngsten Entwicklung zu: in der Pandemie seien unerwartete Themen in den Mittelpunkt gerückt. So hätten Video & Collaboration-Technologien oder IT-Technologien zur Sicherstellung von Security und Data Privacy plötzlich stark an Gewicht gewonnen. In der Folge hätten sich auch die gelernten Lektionen verlagert auf Themenfelder wie Handlungsfähigkeit, Zusammenhalt und Kollaboration oder Präsenz. Als aktuelle Schwachpunkte traten Fragen der Digitalen Souveränität, hoheitlicher Aufgaben zum Beispiel rund um Identitätsfragen und Security zu Tage.

Nun stellte Claudia Plattner die Frage nach der Zukunft: Wohin entwickelt sich die Digitalisierung 2022? Zielführend sei die Einsicht, dass Zusammenhalt, Kollaboration und Handlungsfähigkeit in der Krise eng verknüpft seien. Aus der Frage heraus, wie weit der Grad der Kooperation und Kollaboration in der IT entwickelt sei, formulierte sie die These, dass Reifegrad der Digitalisierung und Kooperationsreichweite positiv korreliert seien. Wer die Kooperationsreichweite in die Zukunft weiterdenke, sollte über frühere Konzepte der Digitalisierung wie Plattformen hinausdenken: Value Networks mit dynamischem Charakter stehen als europäische, zeitgemäße Antwort für digitales Wachstum und Resilienz.

Die größte Herausforderung bei der Weiterentwicklung dieser Networks sei die Einigung auf notwendige Standards. So müsste zum Beispiel vom Gesetzgeber ein Regulierungsrahmen und vom öffentlichen Sektor zentrale Infrastrukturen für die Identity geschaffen werden. Die Wissenschaft müsse Folgenabschätzung und Zukunftsforschung leisten. Gegen Ende betonte Plattner, dass vor diesem Hintergrund Identity, Services und Data Marketplaces für resiliente und krisensichere Strukturen die unerlässlichen digitalen Wegbereiter sind.

Abschlusspanel des FZI Open House 2021

Zum Ende der Veranstaltung ließen FZI-Direktor Prof. Dr. Stefan Jähnichen, Dr.-Ing. Arne Rönnau, Abteilungsleiter am FZI, und Dr.-Ing. Katharina Glock, stellvertretende Abteilungsleiterin am FZI im Abschlusspanel unter der Moderation von FZI-Vorstand Prof. Dr. J. Marius Zöllner das erste virtuelle FZI Open House Revue passieren. So diskutierten die Referenten und Impulsgebenden die zentralen Themen des Tages und gaben ihre ganz persönlichen Eindrücke wieder. Dr. Arne Rönnau äußerte dabei seine Einschätzung zu Open-Source-Software als digitalen Wegbereiter in der Krise: „Open Source leistet meiner Meinung nach durch die Bündelung von Ressourcen einen wichtigen Beitrag, um die Digitalisierung zu beschleunigen. Das Potenzial ist riesig!“

Katharina Glock betonte, dass vor allem Daten eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung seien. Die Bestrebungen, auf Europaebene eine Datenplattform aufzubauen und Daten zu teilen, die Grundlage für Forschung und Entwicklung sein können, befürwortet Glock. Sie erklärte: „Ich denke, das ist eine gute Chance. So lässt sich der Wettbewerbsvorteil von großen Unternehmen mit großen Datenbeständen gegenüber KMU ausgleichen.“ 

Die von Marius Zöllner gestellte Frage „Können wir (in Deutschland) bereits digital?“ verneinte Professor Jähnichen. An vielen Stellen werde noch versucht, bestehende analoge Prozesse ohne jegliche Anpassung ins Digitale zu übersetzen, wobei die Vorteile der digitalen Technologien ungenutzt bleiben. Als Beispiel dafür nannte er das Lehren und Lernen im virtuellen Raum in Zeiten der Corona-Pandemie. „Es reicht nicht aus, als Dozent nur die Folien einer (analogen) PowerPoint-Präsentation zu teilen und dazu die Lehrinhalte zu erklären. Es gibt jede Menge unausgeschöpftes Potenzial, um digitale Vorlesungen besser zu gestalten und für den Einzelnen das Lernen zu individualisieren.“ Als Vorreiter nannte Jähnichen den Spielemarkt. Dieser hat schon seit langer Zeit den Durchbruch ins Digitale geschafft und sei daher sehr geeignet, um Erkenntnisse auch für andere Disziplinen zu gewinnen und zu nutzen. 

Später knüpfte Professor Jähnichen an einen Gedanken an, den Claudia Plattner in der Keynote zu Beginn der Veranstaltung geäußert hatte. Sie hatte betont, dass das Kooperative beim Weiterdenken der Digitalisierung im Vordergrund stehen müsse. Die Menschen müssten lernen, sich mehr einzubringen und damit auch die Möglichkeiten der Digitalisierung auszuschöpfen. Professor Jähnichen bezog diesen Gedanken nun auf das „Spezialgebiet“ des FZI: „Auch in der Forschung und bei Forschungstransfer-Projekten muss das "Kooperative" stärker berücksichtigt werden. Wir müssen insgesamt mehr user-centric denken.“


Die Rückblicke auf das FZI Open House 2021

Hier finden Sie einen Rückblick auf die Highlights aus den Transferforen und Workshops des FZI Open House 2021.

Hier finden Sie einen weiteren zu den virtuellen Führungen durch das House of Living Labs und die Livedemos in der Mittagszeit des FZI Open House 2021.