05.11.2020

Delfine: Neues Forschungsprojekt für intelligente Grünstromnutzung in der Industrie gestartet

Eine interdisziplinäre Forschungsherausforderung aus den Bereichen Energiemanagement, Datenmanagement, künstliche Intelligenz und Produktionsoptimierung: Zusammen mit Partnern aus Forschung, IT- und Energiebranche sowie zwei mittelständischen Unternehmen haben die Stadtwerke Trier (SWT) unter den Namen Delfine eine Projektgruppe gegründet. Delfine steht für Dynamisches Demand-Response-System für eine nachhaltige Fertigung durch informationstechnische Vernetzung zur effizienten Energienutzung, -vermarktung und -erzeugung.

Dass sie aus Sonne und Wind Strom erzeugen können, haben die Stadtwerke Trier (SWT) in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. Inzwischen betreiben sie über 30 Anlagen in Eigenregie und sind an mehr als 20 weiteren Anlagen beteiligt. Rund 170 Millionen Kilowattstunden Ökostrom stehen damit jährlich für die Vermarktung zur Verfügung.

„Für Privatkunden funktioniert das bereits ganz gut. Wie diese saubere Energie künftig auch für energieintensive Industriebetriebe zum Einsatz kommen kann, wollen wir jetzt genauer untersuchen“, beschreibt Rudolf Schöller, Bereichsleiter Entwicklung Erzeugung bei den SWT, das Forschungsziel. Zusammen mit Partnern aus Forschung, IT- und Energiebranche sowie zwei mittelständischen Unternehmen hat der Trierer Energieversorger unter den Namen Delfine eine Projektgruppe gegründet. Delfine steht für Dynamisches Demand-Response-System für eine nachhaltige Fertigung durch informationstechnische Vernetzung zur effizienten Energienutzung, -vermarktung und -erzeugung. „Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist auch anspruchsvoll: Unsere Ökostrom-Produktion hängt davon ab, wann die Sonne scheint und der Wind weht, ist also starken Schwankungen ausgesetzt. Die Betriebe brauchen aber eine planbare und zuverlässige Energieversorgung“, erklärt Thorsten Zoerner, CEO der STROMDAO GmbH die Herausforderung.

Mit der Kautenburger GmbH, einem Sondermaschinenbauer aus Merzig, und der MaTec Gummiwerk GmbH, ein Hersteller für technische Gummiformteile, wollen sich zwei energieintensive Betriebe dieser Herausforderung im Rahmen des Projekts stellen. „In der Fertigung von Gummiformteilen ist das Energiemanagement ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die MaTec Gummiwerk GmbH hat in den vergangenen Jahren bereits viel geleistet, um den Energiebedarf der Maschinen sukzessive zu senken. Mit Delfine gehen wir noch einen Schritt weiter und wollen unseren Verbrauch mit der Verfügbarkeit von Strom aus regenerativen Energieträgern im Markt abgleichen. Wir sind zuversichtlich, dass es uns dank der Partner aus den verschiedenen Industriedomänen gelingt, ein optimiertes Demand-Response-Verhalten zu erreichen und hierdurch zukünftig nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger zu produzieren“, erklärt André Henning, Geschäftsführer der MaTec Gummiwerk GmbH.

Mitte September fand das offizielle Kick-off Meeting statt. Im nächsten Schritt folgt die Analyse der technischen und ökonomischen Herausforderungen und Anforderungen für die Versorger- und die Verbraucherseite. „Die gesamte Delfine-Lösung umfasst die Erfassung und Verarbeitung von Daten aus heterogenen Quellen wie zum Beispiel Anlagen-, Sensor-, Wetter- und Produktionsdaten. Somit wird ein Konzept des Datenmanagements und der Datenintegration mittels semantischer Technologien und eine serviceorientierte Architektur entwickelt“, beschreibt Hendro Wicaksono, Professor an der Jacobs University Bremen, die Projektvision.

Neben der Jacobs University Bremen wird das Projekt von Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie dem ebenfalls in Karlsruhe ansässigen FZI Forschungszentrum Informatik wissenschaftlich begleitet. „Delfine bietet eine interdisziplinäre Forschungsherausforderung aus den Bereichen Energiemanagement, Datenmanagement, künstliche Intelligenz, und Produktionsoptimierung an. Daher wird das interdisziplinäre Team aus Forschung und Industrie die Qualität und Anwendbarkeit der Lösung sicherstellen“, erklärt Hendro Wicaksono.

Das Projekt läuft über einen Zeitraum von drei Jahren und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

Das Delfine-Konsortium für setzt sich aus neun interdisziplinären Partnern zusammen:

  • Stadtwerke Trier (SWT) als Stromerzeuger
  • STROMDAO GmbH, ein Big-Data- und IT-getriebener Grünstromanbieter
  • Kautenburger GmbH, Experte für Sondermaschinenbau
  • MaTec Gummiwerk GmbH, Spezialist und Hersteller für technische Gummiformteile
  • devolo AG, Anbieter von SmartGrid Lösungen
  • Pumacy Technologies AG, Softwareinnovator im Bereich Wissensmanagement und Data Analytics
  • Jacobs University Bremen
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • FZI Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe