21.07.2020

M2G-Plattform – Offene digitale Plattform als Marktplatz für Mehrwertdienstleistungen

Digitale Plattformen bestimmen zunehmend die (digitale) Wirtschaft. Im Rahmen des Projekts Mobility2Grid erforscht das FZI zusammen mit den Projektpartnern DAI-Labor und EICT einen offenen, partizipativen Ansatz am Beispiel der digitalen M2G-Plattform und ihrer Mehrwertdienste.

Digitale Plattformen bestimmen zunehmend die (digitale) Wirtschaft. Sie breiten sich rasant aus und schaffen globale Netzwerke. Während bekannte globale Player wie Uber, Facebook, Google, Apple oder AirBnB darauf setzen, de-facto Standards zu realisieren und dadurch proprietäre Lösungen weltweit durchzusetzen, gibt es anderer auch Ansätze, offene digitale Plattformen zu entwickeln. Hier geht es darum, in einem partizipativen Ansatz alle involvierten Stakeholder zusammenzubringen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und dadurch gemeinsam einen Mehrwert zu schaffen. Zusammen mit den Projektpartnern DAI-Labor und EICT erforscht das FZI einen solchen Ansatz am Beispiel der M2G-Plattform und ihrer Mehrwertdienste (s. Abb.1). Es geht darum, Unternehmen aus den Bereichen Mobilität und Energie zur Nachhaltigkeit zu befähigen, ohne den Einsatz proprietärer Software, um entwickelte Dienste zu neuen Mehrwertdiensten zu verknüpfen und damit weiterzuentwickeln.

Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung von Mobilität und Energie werden zahlreiche statische und dynamische Daten erfasst und verarbeitet. Das Themenfeld 6 Digitale Räume des Forschungscampus Mobility2Grid setzt hier an und schafft mit dem Aufbau der offenen M2G-Plattform die Möglichkeit einer umfangreichen Daten- und somit Dienstverknüpfung an der Schnittstelle zwischen Mobilitäts- und Energiesystem.

Die zentralen Forschungsfragen sind dabei:

  • Wer sind die potenziellen Stakeholder der M2G-Plattform und welche spezifischen Anforderungen haben sie?
  • Wie wird der Prozess einer partizipativen Plattform-Entwicklung gestaltet?
  • Wie können die organisatorischen sowie rechtlichen Anforderungen, z.B. Zugriffsberechtigungen, an die M2G-Plattform technisch umgesetzt werden?
  • Welche innovativen Mehrwertdienste und Dienstanforderungen ergeben sich für die M2G-Plattform durch die Einbindung in den EUREF-Campus?

Das FZI koordiniert dabei die Forschungsarbeiten im Themenfeld 6 und befasst sich inhaltlich mit den Fragen rund um die Entwicklung der IT-Architektur und Governance-Struktur sowie den Sicherheits- und Datenschutzanforderungen an eine offene digitale Plattform. In Kooperation mit dem DAI Labor sowie weiteren Partnern und Stakeholdern des Forschungscampus werden prototypische Mehrwertdienste für die Plattform entwickelt. Konkret geschieht dies in den sogenannten R&TD-Labs (Research & Technical Development Labs), in die zudem auch potenziellen Nutzer*innen involviert werden. Ein Beispiel für solch einen partizipativ entwickelten Mehrwertdienst ist das Campus-Navi (s. Abb.2), das die Dienste von Parkplatzanbietern, Ladesäulenbetreibern, Campusbetreibern und Mobilitätsanbietern verknüpft.

Entsprechend der Plattformlogik folgt die M2G-Plattform dem Marktplatzprinzip, richtet sich jedoch vorrangig an den B2B (Business-2-Business) Bereich. Entwickler*innen bzw. Dienstanbieter*innen stellen Daten und Dienste auf der Plattform bereit. Auf diese können andere Dienstanbieter*innen und Unternehmen zugreifen. Sie können die Dienste veredeln bzw. weiterentwickeln und mit anderen Diensten verknüpfen. Schließlich können die Community und damit auch die Endkunden, die über die Plattform zur Verfügung gestellten Mehrwertdienste nutzen. Die technische Realisierung der Dienstvernetzung erfolgt auf Basis des Agentenkonzepts (s. Abb.3).

Dieser wird auf Basis von JIAC realisiert und ermöglicht:

  • Das Erstellen und Hochladen von sowohl reaktiven als auch proaktiven und zielorientierten Diensten.
  • Die namentliche und semantische Suche nach vorhandenen Diensten (Service-Matching) im verteilten Dienstverzeichnis.
  • Die Bereitstellung von Mehrwertdiensten durch Verknüpfung vorhandener Dienste sowohl zur Design- als auch zur Laufzeit mittels automatischer Dienstorchestrierung (Planund) -> Adaptivität.
  • Die Verknüpfung mit anderen Anwendungen über Web bzw. REST-Schnittstelle.
  • Die Entwicklungsunterstützung durch verschiedene Werkzeuge.

Die zentralen Vorteile der Agentensysteme sind die Realisierung eines verteilten, dezentralen Systems für eine modulare, skalierbare und robuste Dienstbereitstellung sowie die einheitliche Integration und Verknüpfung von heterogenen Diensten.
Auf der Plattform ist es zudem möglich, die Verknüpfung der Dienste zu Mehrwertdiensten anhand der vernetzten Agentenansicht auch visuell nachzuvollziehen (s. Abb.4).

Die Entwicklung der M2G-Plattform sowie der darauf laufenden Mehrwertdienste wurde als partizipativer Prozess zwischen den technischen Entwicklungspartnern sowie mit den involvierten Stakeholdern und potenziellen Nutzer*innen umgesetzt. Zudem wurde der Prozess durch eine begleitende Evaluation ergänzt, die insbesondere auf die partizipativen Formate und die Nutzerintegration fokussiert.

Zum Abschluss der internen Begleitforschung wird ein Nutzerevaluationsworkshop veranstaltet, der die Umsetzung und Einbindung der Nutzer- und Stakeholderanforderungen kritisch reflektiert. Nähere Informationen zur M2G-Plattform unter https://platform.m2g-portal.de/.

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Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4