09.09.2020

Projekt MobiPlan als „MINT-Innovation 2020“ von Vector-Stiftung ausgezeichnet

Planen Menschen ihre Wege zur Arbeit oder Freizeit, für Beruf und Familie, greifen sie oft zum Auto, da sonst komplexe und flexible Tagesabläufe nicht bewältigbar erscheinen. Das im August gestartete Projekt MobiPlan, das jetzt als eine von 16 „MINT-Innovationen 2020“ von der Vector-Stiftung ausgezeichnet wurde, will hier zum Umdenken bewegen. Das Projekt will beweisen, dass die integrierte Planung von Tagesaktivitäten und des daraus entstehenden Mobilitätsbedarfs der Schlüssel zum Wechsel in den Mobilitätsgewohnheiten ist: ein zu entwickelnder Planungsassistent mit ausgereiftem Algorithmus soll in Zukunft eine vielseitige, personalisierte, verlässliche und gesundheitsbewusste Mobilitätsplanung im Alltag ermöglichen.

Radfahrer in Turmbergbahn Karlsruhe mit seinem Rad vor sich
Foto: Alexandra Wins

Individuelle Mobilität ist ein kritischer Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg einer Gesellschaft, weil zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darauf aufbaut. Für Tagesabläufe wird das Verkehrsmittel Auto aktuell meist als alternativlos angesehen. Dies ist zum Teil ein Akzeptanz- bzw. Wahrnehmungsproblem, da andere Verkehrsmittel bzw. Routenplanung, die mehrere Verkehrsmittel bzw. Fortbewegungsarten miteinander kombiniert, als wenig zuverlässig gelten. Nutzende berücksichtigen bei ihrer Mobilitäts- und Routenplanung meist nur ein Verkehrsmittel, lediglich für die letzte Meile wird teilweise „umgesattelt“, zum Beispiel auf den Bus, das Fahrrad oder den Fußweg.

Paradigmenwechsel durch Mobilitätsplanung im Kontext von Tagesaktivitäten

Im Vorhaben MobiPlan möchte man einen Paradigmenwechsel erreichen, der eine ressourcenschonende und individuelle Mobilität der Zukunft möglich macht: das Projekt soll zeigen, dass eine integrierte Planung von Tagesaktivitäten und den daraus hervorgehenden Mobilitätsbedarfen technisch machbar ist. Es soll ein Planungsassistent (MobiPlan) konzipiert und prototypisch implementiert werden, der durch einen ausgereiften Algorithmus Nutzende bei der Planung der Tagesaktivitäten unterstützt.

Die Mobilitätsplanung wird dabei im Kontext all dieser Aktivitäten gedacht. Dabei soll die Auswahl und Kombination der Beförderungsmittel für die Routenplanung nicht nur entlang von Mobilitätsanforderungen, sondern auch entsprechend abgefragter individueller Präferenzen sowie persönlich gesteckter Gesundheitsziele der Nutzenden erfolgen, was die Akzeptanz des Planungsassistenten erhöhen soll.

Um die Tagesaktivitäten optimal anzuordnen oder auch schwer zu verwirklichende Mobilitätsbedarfe zu berücksichtigen, soll der Planungsassistent auch Veränderungen der Reihenfolge der Aktivitäten als Lösung anbieten. Dazu kann die vom Nutzenden getroffene Differenzierung zwischen festen, verpflichtenden und flexiblen Aktivitäten im Tagesablauf beitragen.

Zu den flexiblen Aktivitäten gehören auch die bereits erwähnten, gesundheitsfördernden Maßnahmen wie Spaziergänge und Radfahrten, die in den Mobilitätsablauf des Tages eingebettet werden. Während Erfassungstechnologien im Gesundheitsbereich bisher darauf abzielten, vor allem die Motivation des Nutzers zur Verfolgung der Gesundheitsziele zu stärken, soll der MobiPlan-Planungsassistent mit seinem speziellen Algorithmus eben auch bei der Planung der Gesundheitsaktivitäten unterstützen.

Laufendes Arbeitspaket 2: Umfragen und Interviews für besseren Routing-Algorithmus

Sieben Arbeitspakete umfasst das Projekt, das sich derzeit im Arbeitspaket 2 befindet, indem auch die Kriterien zur Optimierung des Mobilitätsbedarfs nach den Nutzerpräferenzen definiert werden. Dafür werden ab Ende September Umfragen unter potentiellen Nutzenden sowie Interviews mit Experten aus dem Mobilitätssektor durchgeführt, die dann in die Entwicklung des Algorithmus eingehen.

Dieser schätzt basierend auf soziodemographischen Faktoren, eigenen Nutzereingaben zu Mobilitätspräferenzen und Gesundheitszielen, die Wichtigkeit von einzelnen Optimierungskriterien nutzerspezifisch ab.

Der Routing-Algorithmus greift zudem auf bereits bestehende externe Dienste zur Routenplanung zurück, damit realistische Ergebnisse erzielt werden, die auf echten Fahrplandaten basieren. Auch Erkenntnisse, die im Rahmen des Projektes Regiomove, an dem das FZI maßgeblich beteiligt ist, gewonnen wurden, werden im MobiPlan-Projekt weiterverwendet.

Projektziel 2021

Der Planungsassistent mit ausgereiftem Routing-Algorithmus soll schließlich Ende 2021 fertig entwickelt sein. Abschließend soll die entstandene Lösung durch Umfragen unter Nutzenden wiederum evaluiert werden. Auch eine Einschätzung hinsichtlich der Reduktion im Verkehrsaufkommen und einer zu erwartenden CO2 -Einsparung beim Einsatz des Assistenten soll dann erfolgen.

Ausgezeichnet

Das Projekt rund um Mobilitätsplanung überzeugte gemeinsam mit 15 anderen siegreich ausgewählten Forschungsideen unter ursprünglich 176 eingereichten Anträgen die Vector-Stiftung: als „MINT-Innovation 2020“.

Kontakt:

Dr. Sascha Alpers

Alexandra Wins