02.02.2018

Selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnumgebung für motorisch eingeschränkte Menschen

Laborstudie am FZI: AICASys-Projektpartner testen Forschungsergebnisse im FZI House of Living Labs.

In dieser Woche fand am FZI Forschungszentrum Informatik eine Laborstudie für das Projekt "Adaptives, intuitives Assistenzsystem zur intelligenten Gebäudesteuerung" (AICASys) statt. Im Smart-Home-Bereich des FZI House of Living Labs (HoLL) testeten die Projektpartner Anwendungen, die den Alltag von motorisch eingeschränkten Menschen im heimischen Umfeld erleichtern sollen.

Ziel des Projektes ist es, ein System zu entwickeln, das es betroffenen Personen ermöglicht, Geräte in ihren Wohnungen blickbasiert zu steuern. Hierzu werden die Blickmuster des Nutzers über eine Eye-Tracking-Brille (ETG) erfasst und anschließend über das AICASys-System ausgewertet.

FZI-Wissenschaftlerin Nicole Merkle erklärt: „Die Kontexterkennung sowie das Bewerten und Entscheiden der Aktionen werden dabei durch den sogenannten Sherlock-Agenten durchgeführt. Sherlock wertet im Hintergrund kontinuierlich Sensordaten sowie semantisch annotierte Informationen über die Umgebung aus. Dadurch kann das System gewissermaßen erraten, wie dem Nutzer aktuell am besten geholfen werden kann.“

Um das System in Hinblick auf seine Benutzerfreundlichkeit zu testen, wurden sechs Probanden der Evangelischen Heimstiftung GmbH ins FZI eingeladen. Bei den Probanden handelte es sich um Fachkräfte, die täglich mit der Zielgruppe arbeiten und deren Anforderungen genau kennen. Zur Auswertung wurden gemeinsam mit den Probanden verschiedene Anwendungsszenarien demonstriert. So konnten die Probanden zunächst verschiedene, im Labor befindliche Geräte ausschließlich über Blickkontakt steuern, wobei das System für die Entscheidung auch die aktuelle Situation und den Kontext des Anwenders erfasst und miteinbezieht. Anschließend wurde ein System zur assistierten Medikamenteneinnahme getestet. Hier erhielten die Probanden Informationen zu Medikamenten aus einer Pillenbox – diese werden durch das AICASys-System automatisch mit dem Blick eines Probanden durch die ETG-Brille gewonnen und auf einem Tablet-PC angezeigt. 

Die in der Studie gewonnenen Ergebnisse werden kommenden April in Bonn auf einer Abschlussveranstaltung vorgestellt. Das Projekt AICASys hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Neben dem FZI gehören die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und die CIBEK technology + trading GmbH zu den Projektpartnern, die die Laborstudie unterstützt haben.