27.04.2020

FZI in tiefer Trauer um Gerhard Goos

Professor em. Dr. Dr. h. c. Gerhard Goos, Direktor emeritus des FZI und einer der Gründerväter der Informatik, ist am 20. April im Alter von 82 Jahren verstorben. Als Wegbereiter zahlreicher heute anerkannter Institutionen der Informatik, durch sein Engagement, seine Lehrbücher und seine anwendungsorientierte Forschung verlieren wir mit Gerhard Goos nicht nur einen der Initiatoren des FZI: Wir trauern vor allem um eine bedeutende Persönlichkeit und hochgeschätzten Menschen, Kollegen, Doktorvater und ein Urgestein der deutschen Informatik. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seinen Angehörigen.

Bild: KIT/Markus Breig

„Gerhard Goos hat in dreifacher Hinsicht zum Erfolg des FZI beigetragen: vor fast 40 Jahren als einer der Mitgründer mit einer damals visionären Idee, dann 30 Jahre als leidenschaftlicher Direktor mit großer fachlicher und persönlicher Ausstrahlung weit über seine Forschungsgruppe hinaus und schließlich fast 10 Jahre in der Rolle Direktor emeritus als erfahrener Ratgeber und gefragter Ideenlieferant für das FZI. Wir werden ihn als einen extrem engagierten, äußerst kompetenten und fachlich weit vorausschauenden Kollegen am FZI in Erinnerung behalten. Wir gedenken seiner in großer Dankbarkeit und Trauer und möchten seiner Familie in dieser schweren Stunde unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, so Andreas Oberweis, stellvertretend für alle Mitarbeitenden und den Vorstand des FZI.

Gerhard Goos war der erste Informatik-Professor an der Universität Karlsruhe (TH). Er trug wesentlich zur Gründung der deutschlandweit ersten Informatikfakultät im Jahr 1972 bei und "gestaltete so von Karlsruhe aus den Beginn der flächendeckenden Informatikforschung in Deutschland". Auch an der Gründung des International Computer Science Institute (ICSI) in Berkeley war er aktiv beteiligt, das als unabhängiges Forschungszentrum die Grundlagenforschung in der Informatik und den Wissens- und Technologietransfer zwischen Deutschland und den USA zum Ziel hat. Als Autor grundlegender Informatik-Lehrbücher und Herausgeber diverser Zeitschriften wie Informatik-Spektrum oder der Buchreihe Lecture Notes in Computer Science sowie durch seine zahlreichen Veröffentlichungen prägte er die Informatikdisziplin.

Seine Arbeit und sein Engagement wurden weltweit anerkannt. So wurde Gerhard Goos für seine Leistungen in der Informatik u. a. 2014 mit dem ACM Award ausgezeichnet, 2019 erhielt er den Ehrentitel Fellow der International Federation for Information Processing (IFIP) für seine langjährigen Verdienste um die Informatik weltweit.

1984 gehörte Gerhard Goos – neben Klaus Bender, Hans Grabowski, Gerhard Krüger, Peter C. Lockemann, Ulrich Rembold, Detlef Schmid, Gerhard Schweizer, Werner Zorn und dem damaligen Universitätskanzler Gerhard Selmayr sowie dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth und dem Unternehmer Gunther Schroff – zu den Gründern und frühen Wegbegleitern des FZI. Von Beginn an leitete er seine Forschungsgruppe am FZI als Direktor. Von 1986 bis 1991 war er zudem als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung prägend für die damals größte deutsche Informatik-Großforschungseinrichtung GMD. In seiner Zeit am FZI betreute er zahlreiche Dissertationsprojekte von FZI-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern. Forschungsschwerpunkte von Gerhard Goos waren zuletzt die Restrukturierung und Sanierung objektorientierter Software sowie Übersetzertechnologie und formale Methoden in der Software-Konstruktion.

Gerhard Goos, der sich in bemerkenswerter Art und Weise um das FZI hoch verdient gemacht hatte, schied zum 1.1.2011 aus dem aktiven Wirken am FZI aus. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm in feierlichem Rahmen der neu geschaffene Status eines „Direktor emeritus“ des FZI verliehen.

Das gesamte FZI trauert um Gerhard Goos, mit dem wir nicht nur eine hochgeschätzte Persönlichkeit verlieren, sondern die Wissenschaftslandschaft einen gestaltenden Charakterkopf und Vordenker der Informatik in Deutschland und darüber hinaus. Sein Wirken hat und wird nachfolgenden Generationen an Informatikforscherinnen und -forschern den Weg bereiten.

Die Familie hat eine Gedenkseite eingerichtet.