Die Elektrophysiologie der Kataplexie: Eine Chance für Diagnose und Therapiesteuerung?

Author(s)
Gauger, Friedrich R.J.
Journal
Somnologie - Schlafforschung und Schlafmedizin
Year
2015
Volume
19
No.
S2
Pages
47--126
Abstract
Ziele: Evaluation der elektrophysiologischen Muster der Kataplexie hinsichtlich ihres Nutzens für automatisierte Diagnose: Erscheint die Detektion der Kataplexie mit einem ambulant tragbaren Sensorsystem plausibel? Methoden: Literaturrecherche zum Stand der Wissenschaft, Messungen am narkoleptischen Subjekt und Evaluation der Messdaten und ihrer Derivate. Die Kataplexie, der Tonusverlust quergestreifter Muskulatur infolge emotionaler Erregung, ist ein hochspezifisches Symptom für Narkolepsie vom Typ1. Ein gelingender Nachweis der Kataplexie im ambulanten Kontext ist sowohl für Diagnose als auch für die Therapiesteuerung der Narkolepsie Typ 1 von hohem Wert. Zur Evaluierung elektrophysiologischer Korrelate der Kataplexie werteten wir bisherige Studien hinsichtlich Ihrer Ergebnisse und des gemeinsamen Messumfanges aus. Eigene Messungen führten wir mit einer Schnittmenge dieses Messumfanges, erweitert um Akzelerometrie in sieben Achsen (ACM) durch. Die Messtechnik erlaubte die freie Bewegung des Probanden. Ergebnisse: Die ausgewertete Literatur zeichnet ein kohärentes Bild hinsichtlich der Aktivitätsmuster im Elektromyogram (sEMG), Elektrokardiogramm (EKG), Elektrookulogramm (EOG) und der Elektrodermalen Aktivität (EDA), sowie bei Atmung und Blutdruck. Unsere Messungen bestätigen dieses Bild. Mit Anfallsbeginn erfolgt eine Aktivierung der sympathischen als auch der parasympathischen Komponente des autonomen Nervensystems, gefolgt von partieller oder vollständiger Atonie bei erhaltenem Bewu\sstsein. Die Phase des Tonusverlustes ist gekennzeichnet durch abrupten Tonusverlust, mit ebenfalls abruptem, sporadischen Wiedereinschie\ssen des Muskeltonus, bis schlie\sslich eine Phase relativer (partielle Kataplexie) oder vollständiger Atonie (totale Kataplexie) erreicht wird. Die Muster im EMG scheinen charakteristisch, wir vermuten eine rostrokaudale Propagation des Tonusverlustes. Die Muster der ACM erscheinen ebenfalls charakteristisch. Der \"Ubergang zur postkataplektischen Phase zeigt keine charakteristischen Muster. Eine algorithmenbasierte Erkennung auf Basis reduzierter, langzeittragbarer Sensorik erscheint plausibel. Hierzu sind weitere Studien erforderlich.
Online Sources
http://link.springer.com/10.1007/s11818-015-0024-6
DOI
10.1007/s11818-015-0024-6
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Published by
Friedrich Gauger