proveit40

Im Projekt proveit40 erweitern FZI-Wissenschaftler die Echtzeitdatenverarbeitung auf die See- und Luftfracht.

Logistik in Echtzeit − von Stuttgart bis São Paulo

Wo ist mein Material − wurde es bereits abgeholt? Stimmen Liefermenge und Qualität? Kommt die Lieferung pünktlich? Was tun im Fall von Verspätungen? Mit diesen und ähnlichen Fragen sehen sich Materialdisponenten in weltweit verteilten Lieferketten tagtäglich konfrontiert. Noch immer greifen die Disponenten in dringenden Fällen zum Hörer und bitten beim beauftragten Logistikunternehmen um Auskunft. Diese greifen wiederum ihrerseits zum Telefon, um den beauftragten Subunternehmer zu erreichen. Um Telefonketten im Fall von Störungen zu vermeiden und alle Beteiligten der Lieferkette bei der Überwachung und Steuerung von Transporten zu unterstützen, hat das FZI im öffentlich geförderten Forschungsprojekt "ProveIT" (ProveIT) einen Prototypen für ein IT-System erarbeitet. Im Nachfolgeprojekt "proveit40" hat der Konsortialpartner Bosch das FZI beauftragt, die Lösung für den Produktiveinsatz vorzubereiten und gemeinsam weltweit auszurollen.

Die Lösung umfasst eine Reihe von Diensten zur Echtzeitverarbeitung sowie zum Abweichungsmanagement und verknüpft verschiedene Technologien: Fahrzeuge werden mittels GPS verfolgt. Eine mobile Anwendung (App) ermöglicht die Kommunikation mit den LKW-Fahrern. In einem mächtigen Backend werden Aktual- und Plan-Daten zusammengeführt und Abweichungen im Transportverlauf in Echtzeit erkannt. Diese Abweichungen werden unter Einbeziehung aller relevanter Daten hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Folgeprozesse bewertet. Über ein webbasiertes Cockpit kann sich der Disponent jederzeit über den aktuellen Status "seiner" Lieferungen informieren und gezielt nach einzelnen Liefer- oder Materialnummern suchen. Außerdem bietet das Cockpit den Disponenten die Möglichkeit, sich nach individuell konfigurierbaren Regeln automatisch per E-Mail über kritische Situationen informieren zu lassen.

Im bisherigen Projektverlauf wurde zunächst die App sowie das Backend zur Echtzeitdatenverarbeitung für den Einsatz bei Bosch funktional verallgemeinert und auf einen Produktiveinsatz im weltweiten Umfeld vorbereitet. Die App sowie das webbasierte Cockpit für Material- und Transportdisponenten wurden bereits in Deutschland, Brasilien und Indien pilotiert. Darüber hinaus arbeiteten die FZI-Forscher zusammen mit ihren Projektpartnern bei Bosch daran, über das FZI-Backend auch die Nachverfolgung aller See- und Lufttransporte abzubilden. Auch für diesen Bereich stellen die Projektpartner ein flexibles, leicht konfigurierbares Warnsystem bereit, das auf Materialnummern­Ebene genau die von Störungen betroffenen Material- und Transportdisponenten informiert. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Berechnung von erwarteten Ankunftszeiten in intermodalen Netzwerken, um Verspätungen im Materialnachschub frühzeitig erkennen zu können und damit kosteneffiziente Reaktionen zu ermöglichen. Bei der Umsetzung dieser Dienste profitieren beide Seiten, sowohl die Wissenschaftler am FZI als auch die Verantwortlichen bei Bosch, erheblich von der Zusammenarbeit und den Erfahrungen aus dem öffentlichen Forschungsprojekt ProveIT.

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Dominik Riemer

Bereichsleiter

mehr

Werdegang

Dominik Riemer studierte Informationswirtschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Von 2011 bis 2016 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Projektleiter am FZI bei Prof. Dr. Studer im Forschungsbereich IPE mit dem Schwerpunkt Complex Event Processing (CEP). Anschließend war er von Januar 2017 bis März 2019 Abteilungsleiter "Wissensmanagement" am FZI. Seit Oktober 2018 verantwortet er gemeinsam mit Dr.-Ing. Fabian Rigoll den Forschungsbereich "Information Process Engineering".

Dominik Riemer ist Experte für technische Fragestellungen bzgl. ereignisgesteuerter Architekturen, verteilter Systeme und Datenstromverarbeitung. Im Rahmen seiner Tätigkeit arbeitet er als Projektmitarbeiter, Projektleiter und wissenschaftlicher Koordinator in zahlreichen öffentlichen Forschungsprojekten (z.B. ProaSense (EU), ALERT (EU), PostBot-E (BMWi), PartSense (BMBF), WEKOVI (BMVI)) und berät Großunternehmen wie Bosch und BASF sowie KMU bei der Umsetzung innovativer Lösungen für Echtzeitverarbeitung und IoT in Domänen wie Mobilität, Produktion und Logistik.

2016 promovierte Dominik Riemer am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) summa cum laude zum Thema "Methods and Tools for Management of Distributed Event Processing Applications". Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Wissenschaftspreis der KIT-Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.

Seine derzeitigen Forschungsinteressen liegen im Bereich des intelligenten Datenmanagements für Stream Processing und Fog Computing, dabei insb. der Zugänglichmachung komplexer echtzeitfähiger und hochskalierbarer Analytics-Verfahren und -Anwendungen für Fachanwender.

 

Forschungsinteressen:

  • Stream Processing 
  • Fog Computing
  • Self-Service Big Data Analytics / Guided Analytics
  • Distributed Systems

Forschungsprojekte:

  • StreamPipes: Flexible Modellierung echtzeitfähiger Datenpipelines (https://www.streampipes.org
  • Lieferbot-E (BMWi Elektromobilität): Automatisierte Ver- und Entsorgung städtischer Quartiere durch autonome Elektrofahrzeuge
  • OCROSS (BMVI mFUND): Open Data Crowd Sensing Service für die einfache Fusion annotierter und schwarmbasierter Massendaten
  • WEKOVI (BMVI mFUND): Werkzeuge für die einfache Erstellung komplexer Vergleichsindizes
  • ProveIT (BMWi Zukunftsfähige Logistiknetzwerke): Echtzeitbasierte Störungserkennung und -behebung in Logistikprozessen 
  • ProaSense (EU FP7): The Proactive Sensing Enterprise, Datengetriebene proaktive Erkennung von Störungen in Produktionsprozessen
  • ALERT (EU FP7): Echtzeitkoordination und Kollaboration von Entwicklern in Softwareprojekten 
  • ReFLEX (EU FP7 SME): Ad-hoc Prozessadaptionen im Logistikumfeld
  • PartSense (DE KMU-Innovativ): Anwendungen und Technologien für Participatory Sensing 

Publikationen

zu den Publikationen

Kontakt

Telefon: +49 721 9654-724
Fax: +49 721 9654-725
E-Mail: riemer@dont-want-spam.fzi.de

weniger