FZI analysiert für Joint Venture die optimale Auswahl der Produktionsstandorte und Synergien durch Produktfusionen

BASF und INEOS planten seit einiger Zeit die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für die Zusammenführung des Styrolkunststoffgeschäfts. Nach kartellrechtlicher Prüfung ging das Unternehmen mit dem Namen Styrolution am 1.10.2011 an den Start. Das FZI bekam den Auftrag, die Logistiknetze zu analysieren, ein Modell für die Zusammenlegung zu entwerfen und die neue Produktions- und Distributionslogistik aus Kostensicht zu optimieren. Zudem wurden Synergien durch Produktfusionen untersucht.

Die Styrolution GmbH, eine Anfang 2011 gegründete 100%ige Tochter der BASF SE, fertigt und vertreibt Styrol-Kunststoffe. Dieser Standardkunststoff wird in verschiedenen Styrol-Verbindungen (Polystyrole) für Alltagsprodukte wie CD-Hüllen, PC-Gehäuse, Spielzeug, Kühlschränke und vieles mehr verwendet. Der Chemiekonzern INEOS bietet vergleichbare Produkte an. Der Einkaufspreis für das Vorprodukt Styrol wird am Markt jeden Monat neu festgesetzt und ist eng mit anderen Rohstoffpreisen verbunden. Wie viel Styrol an welchem Produktions-standort gebraucht wird, hängt von der Zusammensetzung der Produkte ab, die dort hergestellt werden.

Im Mai 2011 unterzeichneten BASF und INEOS einen Vertrag über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Mit dem Joint Venture wollen sie sich als europäischer Anbieter von Polystyrolen stärker gegenüber dem internationalen Wettbewerb positionieren und gleichzeitig durch den vergrößerten Pool verschiedener Produktionslinien das Risiko durch die stark schwankenden Marktpreise für die Vorprodukte verringern.

Die Gründung eines solchen Joint Ventures muss durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden geprüft und genehmigt werden. Um die angestrebte strategische Ausrichtung der beteiligten Partner jedoch schon vorab verifizieren und die Zusammenlegung der Logistiknetzwerke planen zu können, nahm das FZI die Funktion eines Clean Teams an. Um potentielle Synergieeffekte bewerten zu können, wurde das Clean Team damit beauftragt, die Logistiknetze beider Unternehmen integriert abzubilden und zu analysieren sowie Möglichkeiten zur Kostenreduzierung aufzuzeigen. Die Joint Venture Partner stellten dem FZI dazu reale Daten aus dem Jahr 2010 zur Verfügung, wie zum Beispiel Lieferanten- und Kundenlisten, Beschaffungs-, Produktions- und Transportkosten.

Auf Basis dieser realen Daten erstellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die am FZI logistische Systeme erforschen, unter Einsatz eines von Shell entwickelten Softwaretools eine Potenzialanalyse. Die Ergebnisse zeigten Möglichkeiten zur Kostensenkung bei der Auslieferung sowie durch Zusammenlegung äquivalenter Produkte beider Partner auf. Es wurde außerdem transparent gemacht, wie durch eine geschickte Auswahl von Produktionslinien an den verschiedenen Standorten die Kosten für den Vorprodukteinsatz möglichst gering gehalten werden können. Die Ergebnisse der Analysen wurden dem Joint-Venture-Steuerungskreis vorgelegt, dem Mitglieder beider Partner angehören.
Als Ergebnis der Analysen entstanden strategische Empfehlungen für die Zuordnung einzelner Produkte zu Produktionslinien. Das heißt, die Forschungsarbeiten beantworteten die Frage, welche Produkte an welchen Standorten hergestellt werden sollten, um unter Berücksichtigung der verfügbaren Produktionstechnik und weiterer Parameter wie Vorproduktpreise, Standort des bestellenden Kunden u. ä. kostenoptimal zu produzieren. Das Team um Professor Dr. Stefan Nickel untersuchte auch, wie es sich auf die Kostenstruktur auswirkt, wenn Kunden beider Unternehmen neu auf Standorte des erweiterten Netzwerkes verteilt werden. Hier wurde also die Frage beantwortet, welche Kunden zukünftig von welchem Standort beliefert werden sollten. Die FZI-Wissenschaftler machten sichtbar, welche Einsparpotenziale sich in der Distribution aus einem zusammengelegten Ausliefernetzwerk ergeben, wenn der eine Joint-Venture-Partner den Transportvorteil in Form von kürzeren Distanzen oder günstigeren Transportpreisen des anderen nutzen kann.

Mit Hilfe verschiedener Szenarios analysierte und bewertete das FZI-Team zudem die möglichen Kostenvorteile verschiedener Produktzusammenführungen.
Das logistische Gesamtnetzwerk, welches durch das Joint Venture entsteht, kann Kostenvorteile beim Materialeinkauf, bei der Produktion, beim Vertrieb und bei den Transporten berücksichtigen und eine kostenoptimale Netzwerkstruktur schaffen.