News

10.07.2026

Software-Engineering im KI-Zeitalter​

Agentische KI definiert Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und Softwareentwicklung neu

Die GI als größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum gibt in einem Policy Brief vom 9. Juli Handlungsempfehlungen, um Software-Engineering im KI-Zeitalter als Schlüsselressource für Deutschlands technologische Innovationskraft zu stärken. Das FZI sieht darüber hinaus durch agentische KI große Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und Softwareentwicklung.

Die Gesellschaft für Informatik und deren Initiative „Software-defined Germany“ adressieren einen zentralen Punkt: Software ist längst nicht mehr nur ein technisches Werkzeug, sondern eine strategische Grundlage für Wertschöpfung, Innovationsfähigkeit und digitale Souveränität. Mit dem Aufkommen generativer und agentischer KI verändert sich diese Rolle noch einmal grundlegend.

Software-Engineering als Schlüsselkompetenz und Schlüsseltechnologie

Laut der GI fühlen sich über 80 Prozent der deutschen Unternehmen von außereuropäischen Software- und KI-Plattformen abhängig, was erhebliche Risiken für die IT-Sicherheit und wirtschaftliche Gestaltungsfähigkeit birgt. Die unregulierte Nutzung KI-generierter Codes bringt zudem Gefahren wie strukturelle Fehler, Sicherheitslücken und ungeklärte Urheberrechtsfragen mit sich. Grundlegend verändert KI, wie Software entwickelt, geprüft und betrieben wird.

Die GI spricht in ihrem Policy Brief unter anderem folgende Empfehlungen aus, um die Disziplin des Software-Engineering als Schlüsselkompetenz und Schlüsseltechnologie in Deutschland zu stärken:

  • den bundesweiten Aufbau und die nachhaltige Finanzierung von Kompetenzzentren für KI-basiertes Software-Engineering als Plattformen für Forschung, industrielle Pilotierung, Zertifizierung und Werkzeugentwicklung
  • Vertrauensinfrastrukturen sowie die konsequente Weiterentwicklung und Durchsetzung von Standards für sichere, privatsphärenschonende, nachvollziehbare und auditierbare KI-generierte und KI-basierte Software
  • eine ressortübergreifende Leitinitiative für KI-basiertes Software-Engineering (AI4SE) und Software-Engineering von KI-basierten Systemen (SE4AI), die Forschung, industrielle Umsetzung, Standardisierung, Ausbildung, Qualifizierung und Transfer eng verzahnt

Verschiebung der Schnittstelle zwischen Fachbereich und IT

KI-Agenten werden die Softwareentwicklung nicht nur beschleunigen: Sie verändern auch, wie Fachanwender*innen mit der Softwareentwicklung zusammenarbeiten. Künftig wird nicht für jede Problemstellung zuerst ein klassisches Softwareprojekt aufgesetzt werden. Viele Aufgaben werden direkt durch Agenten gelöst, iterativ mit Fachwissen gesteuert und erst dort in dauerhafte Software überführt, wo Skalierung, Qualitätssicherung, Sicherheit und Wartbarkeit dies erfordern.

Damit verschiebt sich die Schnittstelle zwischen Fachbereich und IT: Fachliche Expertise, Prozessverständnis und agentische Problemlösung rücken näher zusammen. Gerade deshalb dürfen Kompetenzen im Umgang mit KI-Agenten nicht auf Softwareentwickler*innen beschränkt bleiben. Auch Führungskräfte, Produktverantwortliche und Fachanwender*innen müssen verstehen, welche Aufgaben sich agentisch lösen lassen, wo Risiken entstehen und wie Ergebnisse überprüfbar, sicher und verantwortungsvoll genutzt werden können.

„Welche Aufgaben lösen universelle KI-Agenten und welche erfordern weiterhin dezidierte Softwarelösungen? Diese Frage wird künftig das Software Engineering prägen und die Zusammenarbeit von Fachabteilungen und Software-Entwicklung verändern.“

Oliver Denninger, Bereichsleiter Software Engineering am FZI

Anstehende Workshops zu agentischer KI

Das FZI unterstützt Organisationen mit Workshops und Trainings zu agentischer Problemlösung und KI-gestützter Softwareentwicklung. Ziel ist es, nicht nur Produktivitätspotenziale zu erschließen, sondern eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und Softwareentwicklung zu gestalten. Denn genau darin liegt eine zentrale Voraussetzung für ein wirklich software-definiertes Deutschland.

Über das FZI

Das FZI Forschungszentrum Informatik mit Hauptsitz in Karlsruhe und Außenstelle in Berlin ist eine gemeinnützige Einrichtung für Informatik-Anwendungsforschung und Technologietransfer. Sie bringt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Informationstechnologie in Unternehmen und öffentliche Einrichtungen und qualifiziert für eine akademische und wirtschaftliche Karriere oder den Sprung in die Selbstständigkeit. Betreut von Professor*innen verschiedener Fakultäten entwickeln die Forschungsgruppen am FZI interdisziplinär für ihre Auftraggeber Konzepte, Software-, Hardware- und Systemlösungen und setzen die gefundenen Lösungen prototypisch um. Mit dem FZI House of Living Labs steht eine einzigartige Forschungsumgebung für die Anwendungsforschung bereit. Das FZI ist Innovationspartner des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und strategischer Partner der Gesellschaft für Informatik (GI).