Presseinformation

05.11.2026

„Smart East 2.0“: Der Alte Schlachthof soll Klimaquartier werden

Karlsruher Folgeprojekt vernetzt Strom, Wärme und Mobilität – Modell für die Energiewende in urbanen Bestandsquartieren

Forschungsschwerpunkt: Energie und Nachhaltigkeit

Wie kann die Energiewende dort gelingen, wo Menschen arbeiten, Kultur erleben und Unternehmen ihren Alltag gestalten – in einem gewachsenen Quartier mit unterschiedlichen Gebäuden und Energiebedarfen? Das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg geförderte Projekt „Smart East 2.0“ setzt genau hier an: Für den Alten Schlachthof im Karlsruher Osten wird untersucht, wie ein vernetztes Klimaquartier gestaltet werden könnte, in dem Strom, Wärme und Mobilität intelligent zusammenspielen und gemeinsam genutzt werden.

Vom Reallabor zum vernetzten Energiesystem

Ziel des Reallabors ist es, Energie effizienter zu nutzen, erneuerbare Energien besser einzubinden und die gemeinschaftliche Versorgung im Quartier zu erproben. Zugleich soll ein übertragbares Modell für die Energie- und Wärmewende in anderen Städten entstehen. „Smart East 2.0“ knüpft an die Erfahrungen des Vorgängerprojekts „Smart East“ an, das in der Oststadt die intelligente Vernetzung von Stromversorgung und Elektromobilität in den Mittelpunkt stellte. Mit dem Alten Schlachthof rückt nun ein weiteres Karlsruher Quartier in den Fokus. Das rund 72.000 Quadratmeter große Areal vereint Kultur- und Kreativwirtschaft, Gewerbe und Veranstaltungsorte.

Wenn Energie im Quartier zusammenspielt

„Gerade diese Mischung macht es zu einem geeigneten Reallabor für neue Lösungen der urbanen Energiewende“, betont Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Die entscheidende Weiterentwicklung: Neben Strom und Mobilität wird nun auch die Wärme im Zuge der Untersuchung systematisch in das Energiemanagement integriert, koordiniert und marktorientiert optimiert. Es soll dargestellt werden, wie sich Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, elektrische und thermische Speicher, Klimatisierung, Ladeinfrastruktur und Fernwärmeanschlüsse miteinander vernetzen lassen und aufeinander abgestimmt werden können. So lassen sich Energieerzeugung und -verbrauch ganzheitlich betrachten und Flexibilitätspotenziale erschließen, die bislang häufig ungenutzt bleiben.

Die Konsortialleitung des Projekts übernimmt das FZI Forschungszentrum Informatik, weitere Verbundpartner sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Stadtwerke Karlsruhe mit der Badischen Energie-Servicegesellschaft mbH (BES) sowie fokus.energie e.V.

Wärme wird zum aktiven Teil der Energiewende

Im Zentrum steht die Entwicklung eines Energiesystems, das nicht nur den Eigenverbrauch im Quartier optimiert, sondern auch auf die Anforderungen des Stromnetzes und des Energiemarktes reagieren kann. Heizen und Kühlen spielen dabei eine besondere Rolle: „Wärmepumpen, Speicher und die thermische Trägheit von Gebäuden sollen gezielt zur Flexibilisierung beitragen. Die Innovation liegt darin, Strom, Wärme und Mobilität nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Flexibilität für das gesamte Quartier nutzbar zu machen“, so Projektinitiator Dr.-Ing. Christoph Schlenzig von der SVB Strategie & Vision GmbH.

Über ein intelligentes Energiemanagement können Erzeugung, Speicherung und Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden. Zugleich sollen die im Quartier verfügbaren Flexibilitätspotenziale gebündelt und über die Anbindung an ein virtuelles Kraftwerk auch außerhalb des Areals nutzbar gemacht werden. Damit verbindet „Smart East 2.0“ die lokale Energieversorgung mit den Anforderungen eines zunehmend dynamischen Energiesystems.

Energie gemeinsam nutzen

„Smart East 2.0“ setzt jedoch nicht allein auf Technik. Das Projekt erprobt auch, wie sich erneuerbare Energie gemeinschaftlich nutzen lässt. Im Alten Schlachthof könnte dafür eine sogenannte „Energy Community“ entstehen. Im Rahmen des gesetzlichen Energy-Sharing-Modells werden die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine gemeinschaftliche Energienutzung im Quartier untersucht. Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup hat zugesagt, das Projekt als Schirmherr zu begleiten.

Dabei kommt es auf die Menschen vor Ort an: Unternehmen, Kulturschaffende, Mieterinnen, Mieter und weitere Akteure sollen in den Transformationsprozess eingebunden werden. Beteiligungsformate und Beratungsangebote sollen zudem helfen, Einsparpotenziale zu erkennen, Hemmnisse abzubauen und tragfähige Lösungen für den Quartiersalltag zu entwickeln.

Beitrag des FZI: Intelligentes Energiemanagement, innovative Geschäftsmodelle wie Energy Sharing und Best Practices

Wie lässt sich die vernetzte Energieversorgung im Quartier technisch umsetzen, wirtschaftlich betreiben und organisieren? Das FZI Forschungszentrum Informatik untersucht dafür im Projekt Smart East 2.0 zwei eng verknüpfte Ansätze: die gemeinschaftliche Nutzung der im Quartier erzeugten Energie (Energy Sharing) und die Vermarktung von Energieflexibilität über virtuelle Kraftwerke (VPP). Dabei erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch über die Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität hinweg intelligent koordinieren lassen. Zugleich klären sie, wer welche Rollen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben übernimmt und wie sich die Ansätze im energiewirtschaftlichen Kontext sinnvoll miteinander verbinden lassen

Für die Erprobung entwickelt das FZI auf Basis der Vorläuferprojekte Smart East und WeForming Algorithmen zur Optimierung von Anlagefahrplänen weiter. Diese berechnen, wann die Anlagen Energie erzeugen, speichern oder verbrauchen sollen, und stimmen ihren Betrieb aufeinander ab. Dabei berücksichtigen sie sowohl die gemeinschaftliche Energieversorgung im Quartier als auch die Anforderungen des Stromnetzes sowie die Vermarktungsmöglichkeiten am Energiemarkt. So soll die Möglichkeit, etwa das Laden von Elektroautos oder den Betrieb von Wärmepumpen zeitlich zu variieren, sowohl dem Energy Sharing als auch der Vermarktung von Flexibilität zugutekommen. Zudem trägt das FZI zur digitalen Infrastruktur bei, damit die dafür benötigten Mess- und Steuerdaten erfasst und ausgetauscht werden können.

Aus der praktischen Umsetzung leitet das FZI bewährte Vorgehensweisen und Handlungsempfehlungen für andere Bestandsquartiere ab. Die entwickelten Algorithmen werden als frei zugängliche Open-Source-Software veröffentlicht, etwa auf GitHub. Damit können auch andere Städte und Quartiere auf den Ergebnissen von Smart East 2.0 aufbauen.

Modell mit Strahlkraft für andere Städte

Der Alte Schlachthof bietet für das Projekt gute Voraussetzungen: Unterschiedliche Nutzungen, vorhandene Gebäude, teilweise ältere Heizsysteme und bislang noch ausbaufähige Photovoltaik- und Ladeinfrastruktur stellen das Projekt vor typische Herausforderungen vieler urbaner Quartiere.

Um die Energiewende im Bestand praktisch voranzubringen, sollen mögliche Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmeversorgung und Ladeinfrastruktur mit einem übergreifenden digitalen Energiemanagement zusammengeführt werden. „Smart East 2.0“ setzt deshalb auf die konkrete Umsetzung und den Betrieb von Anlagen statt allein auf Konzepte und Simulationen oder eine projektspezifische Sonderlösung! Die entwickelten technischen Lösungen, Betriebsstrategien und Geschäftsmodelle sollen sich auf andere gemischt genutzte Bestandsquartiere übertragen lassen, damit innovative Konzepte in die Fläche kommen. „Das Projekt setzt Impulse für die kommunale Wärmeplanung, die Dekarbonisierung von Gebäuden und die netzdienliche Nutzung lokaler Energien“, so Ministerin Walker.

Assoziierte Partner des Projekts

Eingebunden in „Smart East 2.0“ sind dazu – als assoziierte Partner – ausgeschlachtet e.V., BGV Badische Versicherungen, BEnKA – BürgerEnergie Karlsruhe eG, K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, Karlsruher Fächer GmbH, KEK – Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur gGmbH, Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V., Stadtmobil CarSharing GmbH & Co. KG, SUBSTAGE Karlsruhe e.V., TechnologieRegion Karlsruhe GmbH und TOLLHAUS Freier Kulturverein e.V.

Öffentlicher Auftakt

Am Donnerstag, 12. November 2026, wird ab 17.30 Uhr im Tollhaus Karlsruhe „Smart East 2.0“ im Rahmen der „RegioCOP31 Karlsruhe“ erstmals öffentlich vorgestellt.

Hier geht es zum Programm und zur Anmeldung.

Dann erhalten Interessierte Einblicke in Ziele und Ansätze des Projekts und erfahren, wie der Alte Schlachthof in Karlsruhe zum Modell für ein intelligentes, gemeinschaftlich organisiertes Klimaquartier werden soll. Das Projekt startete am 1. Oktober 2026 und wird drei Jahre lang gefördert.

Die Projektseite www.smart-east.de wird entsprechend aktualisiert

Über das FZI

Das FZI Forschungszentrum Informatik mit Hauptsitz in Karlsruhe und Außenstelle in Berlin ist eine gemeinnützige Einrichtung für Informatik-Anwendungsforschung und Technologietransfer. Sie bringt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Informationstechnologie in Unternehmen und öffentliche Einrichtungen und qualifiziert für eine akademische und wirtschaftliche Karriere oder den Sprung in die Selbstständigkeit. Betreut von Professor*innen verschiedener Fakultäten entwickeln die Forschungsgruppen am FZI interdisziplinär für ihre Auftraggeber Konzepte, Software-, Hardware- und Systemlösungen und setzen die gefundenen Lösungen prototypisch um. Mit dem FZI House of Living Labs steht eine einzigartige Forschungsumgebung für die Anwendungsforschung bereit. Das FZI ist Innovationspartner des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und strategischer Partner der Gesellschaft für Informatik (GI).

Die Pressemitteilung wurde von fokus.energie e.V. übernommen und um Informationen zur Rolle des FZI im Projekt ergänzt.

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