Der FZI-Blog

FZI-Wissenschaftler gewinnen Preis bei BMVI-Hackathon - 6 Fragen an Dr.-Ing. Dominik Riemer und Philipp Zehnder

08.03.2018 - Vom 2. bis 3. März nahmen Wissenschaftler des FZI Forschungszentrum Informatik am Data-Run des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) teil und kamen schließlich mit dem Preis für Kreativität im Gepäck zurück nach Karlsruhe. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklären Dr.-Ing. Dominik Riemer und Philipp Zehnder, mit welcher Strategie sie sich die Auszeichnung sicherten.

FZI-Blog: Worum ging es beim BMVI-Data-Run?

Dr.-Ing. Dominik Riemer: Der BMVI-Data-Run ist ein Hackathon des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Im Rahmen der Open-Data-Strategie des Bundes hat das BMVI vor einigen Jahren das Open-Data-Portal „mCLOUD“ aufgesetzt. Hier werden offene Datenquellen aus den Geschäftsbereichen des Ministeriums, zum Beispiel zu Verkehr, Lärmbelastung und Emissionen für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, mit dem Ziel, die Entwicklung innovativer Anwendungen rund um die Mobilität zu fördern. Ziel des Data Runs war es, in 24 Stunden eine innovative Lösung auf Basis der zur Verfügung gestellten Daten zu entwickeln und vorzustellen.

Philipp Zehnder: Das Motto in diesem Jahr war „Intelligente emissionsarme Mobilitätslösungen in Städten“. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Debatte war das Ziel, kreative Lösungen für die Minderung von Emissionen aus dem Verkehrssektor in Städten zu entwickeln. Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie wir Anreize schaffen können, dass Menschen auf Routinefahrten, zum Beispiel dem Arbeitsweg, nicht immer aus Gewohnheit auf das gleiche Verkehrsmittel zurückgreifen, sondern das beste Verkehrsmittel benutzen, welches sich abhängig von Wetter, Baustellen (der Karlsruher wird das kennen!) oder Verkehr täglich ändern kann.

FZI-Blog: Gegen wie viele andere Teams seid ihr angetreten?

Philipp Zehnder: Insgesamt sind 17 Teams angetreten. Die Teamgröße hat dabei stark variiert, wir waren mit zwei Leuten fast das kleinste Team, andere Teams waren mit bis zu acht Leuten vertreten.

Dr.-Ing. Dominik Riemer: Wobei man eigentlich nicht sagen kann, dass wir „gegen“ andere Teams angetreten sind – die Atmosphäre hatte eher etwas von einem Zusammenkommen vieler Leute mit gleichen Interessen, nämlich innerhalb von kurzer Zeit etwas Cooles und Brauchbares zu entwickeln. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern war auf jeden Fall richtig gut. Viele Gruppen haben tolle Ideen entwickelt, von denen hoffentlich viele weiterverfolgt werden.

FZI-Blog: Für alle Leser, die sich mit Hackathons nicht so gut auskennen: Was ist die Schwierigkeit dabei?

Dr.-Ing. Dominik Riemer: Es geht darum, in einer beschränkten Zeit eine Lösung zu entwickeln, die anschließend vor einem Publikum und einer Jury präsentiert werden muss. In diesem Fall ging der Hackathon nur über 24 Stunden, das ist nicht viel Zeit, um eine Idee zu entwickeln, einen Prototyp zu bauen und anschließend noch die Präsentation vorzubereiten. Man darf sich dabei nicht verzetteln und muss sich auf das konzentrieren, was man letztlich zeigen möchte.

Philipp Zehnder: Der Mangel an Schlaf ist sicherlich auch eine Schwierigkeit – wir haben es nicht geschafft, die ganze Nacht ohne Pause durchzumachen und haben noch ein paar Stunden Schlaf gefunden, aber andere Teams haben ohne Pause durchentwickelt.

FZI-Blog: Wie sah eure Strategie aus?

Philipp Zehnder: So eine richtige Strategie hatten wir anfangs gar nicht – wir wollten uns im Zug auf der Hinfahrt eigentlich in die vorhandenen Datenquellen einlesen, aber dann gab es einen Zugausfall und wir kamen nicht ins Internet. Der Hackathon ist um 15:00 Uhr gestartet, wir haben uns dann erstmal die Daten angeschaut und unsere erste Idee gleich wieder verworfen. Irgendwann kam uns die Idee mit dem persönlichen Assistenten.

Dr.-Ing. Dominik Riemer: Wir wollten auf jeden Fall etwas Funktionierendes zeigen – dafür mussten wir unter anderem Echtzeitdaten zu Verkehrsmeldungen aus Frankfurt integrieren. Das Datenformat war, sagen wir mal, nicht ganz so einfach zu lesen – ich weiß noch, wie ich um 20:00 Uhr immer noch dabei war, die erste Datenquelle anzubinden und Zweifel hatte, ob wir überhaupt etwas Funktionierendes hinbekommen. Morgens früh um 04:00 Uhr sah es dann schon wieder anders aus ;-)

Philipp Zehnder: Am Ende hatten wir auch ein lauffähiges Tool, was wir in der Präsentation am Ende der Veranstaltung auch live zeigen konnten – wir haben ziemlich gezittert, aber es hat alles funktioniert.

FZI-Blog: Welche Leistung wird mit dem Kreativpreis ausgezeichnet?

Dr.-Ing. Dominik Riemer: Die Jury hat in der Laudatio gemeint, dass sie an unserer Lösung überzeugt hat, dass zum einen das Potential besteht, viele verschiedene Daten aus öffentlichen Quellen anzubinden und auf der anderen Seite mit dem von uns entwickelten Chatbot eine sehr zugängliche Möglichkeit für Nutzer besteht, mit den Daten umzugehen. Viele offene Daten sind für Menschen ohne Entwicklerkenntnisse noch teilweise schwer zugänglich, gerade wenn Daten gleichzeitig noch maschinenlesbar sein sollen. Unsere Lösung setzt auf Sprache und erlaubt damit eine natürliche Interaktion und kann gleichzeitig auch viele interessante Anwendungsfälle abdecken – in unserer Demo haben wir ein Beispiel gezeigt, in dem wir Bürgern im Fall erhöhter Feinstaubbelastung einen vergünstigten Fahrschein anbieten.

FZI-Blog: Nimmt das FZI öfter an Hackathons teil?

Dr.-Ing. Dominik Riemer: In unserem Forschungsbereich Information Process Engineering (IPE) gibt es auf jeden Fall einige Leute, die schon öfters auf Hackathons gemeinsam unterwegs waren, zum Beispiel bei der Deutschen Bahn. Auch auf Klausurtagungen des Lehrstuhls von FZI-Direktor Prof. Dr. York Sure-Vetter und von IPE haben wir öfters Gruppen, die in kurzer Zeit gemeinsam ein Tool entwickeln. Für mich war es aber der erste große Hackathon.

Philipp Zehnder: Ich war schon als Student einige Male auf dem Event „Hackzurich“. Das ist der größte Hackathon im europäischen Raum. Besonders gut fand ich beim BMVI-Data-Run, wie gut alles organisiert war – man konnte sich voll auf das Coding konzentrieren, weil einem alles andere abgenommen wurde.


Dr.-Ing. Dominik Riemer ist Abteilungsleiter am FZI. Seine Dissertation verfasste er zu dem Thema "Methods and Tools for Management of Distributed Event Processing Applications".

Philipp Zehnder arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZI. Seine Forschungsinteressen liegen im Stream Processing, maschinellen Lernen, Container-Technologien und verteilten Systemen.

Weitere Informationen zum Hackathon sowie eine Bildergalerie finden sich auf der Seite des BMVI.


 

 

FLA²IR-Team bereit für finale Phase der European Robotics Challenge

15.02.2018 - Am 27. Februar tritt das FLA²IR-Team beim finalen Entscheid der European Robotics Challenge an.


Am 27. Februar findet der Entscheid der European Robotics Challenge (EuRoC) bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim statt. Das FZI Forschungszentrum Informatik tritt im EuRoC-Finale mit dem Team FLA²IR an. Dieses besteht neben Wissenschaftlern des FZI aus Vertretern der Adam Opel AG sowie der MRK Systeme. Das Team hat sich in den letzten Wochen intensiv auf die finale Phase der EuRoC vorbereitet. Der Roboter, den das Team ins Rennen schickt, wird in einem gemeinsamen Arbeitsraum mit dem Werker einen flexiblen Gummi-Dichtungsstreifen selbständig und kraftbasiert an verschiedene Autotüren montieren.

Nach dem Erreichen der finalen EuRoC-Phase hat sich das Team FLA²IR auf die Entwicklung von Pilot-Anwendungen mit Automatisierungs-Herausforderungen konzentriert, die bisher nicht automatisierbar waren. So ist eine Schwierigkeit bei der Handhabung von flexiblen, biegenschlaffen Gummidichtungen, dass diese nicht mit den herkömmlichen Industrierobotern handhabbar oder montierbar sind. Um diese Herausforderungen anzugehen, setzte das Team FLA²IR eine präzise Add-on-Kraftregelung in Kombination mit intelligenten Manipulations-Strategien ein. Die Pilot-Anwendung wird bei Opel im Werk Rüsselsheim aufgebaut und demonstriert.

Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, wurden zahlreiche, neue Fähigkeiten entwickelt: Unter anderem entstand eine kraftsensitive Manipulation zur Montage sowie ein webbasiertes Werkzeug, um neue Trajektorien einfach zu programmieren. Alle Werkzeuge basieren auf ROS Industrial. Obwohl die Anforderungen im EuRoC-Piloten sehr speziell sind, können die Fähigkeiten dank ROS in Zukunft schnell auf andere Industrie- und Montageanwendungen transferiert werden.

Dieses Video auf dem FZI-You-Tube-Kanal zeigt die bisherigen Ergebnisse des FLA²IR-Teams von der vorangegangenen Showcase-Runde: In dieser wurde bereits gezeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, eine solche Gummi-Dichtung mit Hilfe eines Roboters zu montieren. In der finalen Phase wird demonstriert, wie die Türdichtungsmontage nicht nur im Labor, sondern auch in der Automobil-Industrie unter realen Produktionsbedingungen realisierbar ist.


Am FZI verantwortlich für die European Robotics Challenge und die Arbeit des FLA²IR-Teams ist der wissenschaftliche Mitarbeiter Georg Heppner.


 

 

Warum sind Passwörter so wichtig? 5 Fragen an FZI-Wissenschaftler Roland Gröll

01.02.2018 - Am "Ändere-dein-Passwort-Tag" fragen wir Roland Gröll vom Kompetenzzentrum IT-Sicherheit warum Passwörter wichtig sind, mit welchen Mitteln diese oft geknackt werden und wie weit die Forschung beim Thema Internetsicherheit ist.

FZI-Blog: Am 1. Februar ist Ändere-dein-Passwort-Tag. Warum brauchen wir überhaupt Passwörter?

Roland Gröll: Mit Passwörtern stellt man sicher, dass nur derjenige der das Passwort kennt sich bei einem Dienst oder an einem Computer anmelden kann.

FZI-Blog: Wie oft sollte man sein Passwort ändern?

Roland Gröll: Sichere Passwörter müssen nur selten geändert werden. Dies ist dann der Fall wenn man vermutet, dass das Passwort bekannt geworden ist. Es gibt Studien die darauf hindeuten, dass häufige Passwortwechsel dazu führen, dass Benutzer unsicherere Passwörter wählen. Es besteht also die Möglichkeit, dass durch zu häufigen Austausch von Passwörtern die Sicherheit eher verringert als erhöht wird.

FZI-Blog: Was macht ein Passwort zu einem sicheren Passwort?

Roland Gröll: Ein Passwort sollte möglichst schwer zu erraten sein und zufällig sein. Dies erreicht man durch lange Passwörter und durch eine Mischung von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.

FZI-Blog: Wie ist es überhaupt möglich, ein Passwort zu knacken und was empfiehlt das Kompetenzzentrum IT-Sicherheit um dem entgegenzuwirken?

Roland Gröll: Wenn ein Passwort zu den "üblichen" Passwörtern gehört ist die Gefahr groß, dass es durch einen Wörterbuchangriff gefunden wird. Hierbei wird eine Liste von mögliche Passwörtern durchprobiert um das richtige zu finden. Dem wirkt man entgegen, indem man kein Passwort verwendet, welches auf solchen Listen vorhanden ist. Es sollte also möglichst zufällig und einzigartig sein. Außerdem sind Passwörter nicht bei jedem Dienstleister sicher gespeichert. Es kommt immer wieder dazu, dass Passwörter von Webseiten geklaut werden, weil diese Webseiten unsichere Techniken verwenden. Ein Passwort sollten also nur für einen Dienst verwendet werden, damit durch solche Vorfälle nur der jeweilige Dienst betroffen ist. Die anderen Dienste, bei denen man Accounts hat, aber sicher bleiben. Da es unübersichtlich werden kann, wenn man pro Account ein Passwort verwendet, bieten sich Passwordmanager an. Hiermit vereinfacht sich die Verwaltung von Passwörtern.

FZI-Blog: Stand der Forschung: Wie kann man sich, abgesehen von Passwörtern, sicher im Internet bewegen?

Roland Gröll: Es ist wichtig die Software die man verwendet auf einem aktuellen Stand zu halten. Dadurch schützt man sich vor Malware, die sicherheitskritische Softwarefehler in veralteten Versionen ausnutzt. Zudem ist darauf zu achten, dass man mit den richtigen Webseiten kommuniziert und nicht auf Phishing reinfällt. Hierzu gibt es HTTPS. Dies ist eine Variante von HTTP welche für vertrauliche und authentifizierte Verbindungen zu Webseiten verwendet wird. Moderne Browser zeigen einem neben der Adressleiste an, ob die Verbindung sicher ist. Durch Adblocker schützt man sich vor Malware, die Werbung als möglichen Angriffspunkt verwendet.


Roland Gröll arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum IT-Sicherheit am FZI. Er beschäftigt sich aktuell mit Password Authenticated Key Exchange.