Forschungsprojekte

PriviLEG
Privatsphäremechanismen zum selbstbestimmten Umgang mit medizinischen Daten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements
Start: 10.2021
Ende: 12.2024

PriviLEG entwickelte innovative, datenschutzkonforme Lösungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) und zeigte, wie hochsensible Gesundheitsdaten sicher, effizient und selbstbestimmt genutzt werden können. Im Projekt wurden moderne Anonymisierungsverfahren, lokale KI-Verarbeitung und flexible, einwilligungsbasierte Datenfreigabe kombiniert, um praxisgerechte und vertrauenswürdige Systeme für Unternehmen zu realisieren.
Das Ziel von PriviLEG war es, Datenschutz, Datensouveränität und Nutzbarkeit in Einklang zu bringen. Dafür wurden Verfahren wie Differential Privacy, Privacy-Preserving Data Mining und Data Publishing, homomorphe Verschlüsselung sowie containerbasierte Systeme mit maschinenlesbaren Einwilligungen und Distributed-Ledger-Technologien implementiert und erprobt.

Ein zentraler technischer Schwerpunkt lag auf der Erforschung und Entwicklung neuronaler Netze für die Analyse medizinischer Zeitreihendaten, insbesondere EKG-Signale. Zwei Modellarten wurden systematisch verglichen: ein Deep Convolutional Recurrent Artificial Neural Network (ANN) und ein energieeffizientes Spiking Neural Network (SNN) mit biologisch plausiblen Leaky-Integrate-and-Fire-Neuronen. Beide Modelle wurden vollständig in PyTorch, norse und snnTorch implementiert und mit einer robusten Datenvorverarbeitungspipeline trainiert.

Die Evaluation zeigte, dass die entwickelten Modelle den bisherigen Stand der Technik bei der Schlaf-/Wach-Erkennung übertrafen. Besonders die SNN-Architektur erwies sich in der Klassifikation mit mehreren Klassen (Schlaf-/Wach- und REM-Phasen) sowie bei der Apnoe-Erkennung als überlegen und bot zudem Vorteile für den Einsatz auf energieeffizienter, batteriebetriebener Hardware. Die Arbeiten führten zur Publikation „Sleep Stage and Apnea Classification from Single-Lead ECG Using Artificial and Spiking Neural Networks“, die 2024 mit dem Best Paper Award der IEEE-EMBS Conference on Biomedical Engineering & Sciences ausgezeichnet wurde [1]. Darüber hinaus entstand die Publikation „A Formal Treatment of Homomorphic Encryption Based Outsourced Computation in the Universal Composability Framework“ [2].

Rolle des FZI
Das FZI Forschungszentrum Informatik übernahm im Projekt die Entwicklung und Evaluation der Datenschutzmechanismen, die Umsetzung der KI-basierten Analysesysteme sowie den Aufbau der containerbasierten Freigabelösung. Die technische Machbarkeit der Ansätze wurde anhand realer medizinischer Datensätze demonstriert, und die Ergebnisse wurden in wissenschaftliche Publikationen, Fachveranstaltungen und den Wissenstransfer in Wirtschaft und Forschung eingebracht.

PriviLEG leistete damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz sensibler Gesundheitsdaten im betrieblichen Kontext, verband modernste Datenschutztechnologien mit innovativen KI-Ansätzen und eröffnete neue Perspektiven an der Schnittstelle von IT-Sicherheit, Medizintechnik und künstlicher Intelligenz. Die entwickelten Technologien stärken die Grundlage für vertrauenswürdige Digital-Health-Lösungen und unterstützen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung zukunftsfähiger Gesundheitsangebote.

Ansprechperson
stellv. Abteilungsleiter
Bereich: Embedded Systems and Sensors Engineering
Hauptsitz Karlsruhe

Forschungsschwerpunkte
Applied Artificial Intelligence

Das Hauptaugenmerk des FZI in diesem Forschungsschwerpunkt liegt auf der praxisnahen Erforschung der Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz (KI). Innovative KI-Lösungen werden entwickelt und für unserer Partner und Kunden in Anwendungsbereiche wie Mobilität, Robotik, Gesundheitstechnik, Logistik, Produktion sowie Ver- und Entsorgung transferiert.

Safety, Security and Law

Um die sichere Digitalisierung zu ermöglichen, erforscht und vermittelt das FZI in diesem Forschungsschwerpunkt anwendungsnah innovative Konzepte, Methoden zur Absicherung von IT-Systemen sowie rechtliche Rahmenbedingungen.

Illustration

Förderhinweis:
Das Projekt BeACTIVE wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

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